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W wie wichtig

Um im Abstiegskampf den Anschluss an die direkten Konkurrenten nicht zu verlieren, kam für das Team um Neu-Trainer Ralf Aussem am Mittwochabend nur ein Sieg in Frage. Bereits am Sonntag hatte man in Ingolstadt gezeigt, dass man sich mit dem Abstieg nicht abgefunden hatte, dabei die wohl beste Leistung der Saison gezeigt und trotzdem nur einen Punkt gerettet. 3:3 trennten sich die Teams, die einst so eng beieinander gestanden hatten. Doch der FC Ingolstadt hat sich aus der groben Gefahrenzone entfernt, auch wenn ihm der Klassenerhalt noch längst nicht sicher ist, kann man in Franken allerdings guter Dinge sein.

Im Westen Deutschlands sieht es zumindest in Aachen ganz anders aus. Man schmückt immer noch den letzten Tabellenplatz, muss aus den nächsten Spielen so viele Punkte wie nur eben möglich holen, um für einen Verbleib in Liga 2 zu garantieren. Einen Anfang hatte man bereits in Ingolstadt gemacht, gegen Bochum sollte an diese gute Leistung nun angeknüpft werden. So veränderte Trainer Ralf Aussem seine Erfolgs-Elf vom vergangenen Spieltag nur auf wenigen Position: Für den Gelb-gesperrten Olajengbesi durfte Thomas Stehle von Beginn an ran. Die Abwehrreihe komplettierten Kapitän Falkenberg, Timo Achenbach sowie der wiedergenesene Tobias Feisthammel. Der Rest verblieb: Alper Uludag und David Odonkor berannten die Außenpositionen, während Albert Streit zusammen mit Aimen Demai die Mitte dicht hielt. Auf der "Zehn" kam Anouar Hadouir zum Einsatz, Dortmund-Leihgabe Stiepermann sollte an seine gute Leistung im Süden Deutschlands anknüpfen können und bekam so erneut das Vertrauen des Trainers geschenkt. Im Kasten der Schwarz-Gelben wachte Boy Waterman.


Nicht so schwungvoll, dafür mit guter Übersicht starteten beide Teams in die Partie, die über die so wichtigen Punkte entscheiden sollte. Und um diese in der Heimat zu behalten, war es die Alemannia, die zu erst ins Spiel fand, langsam Druck aufbaute und sich dann steigerte. 
Jeder war in Bewegung, auf dem Tivoli wurde kein "Stand-Fußball" mehr gespielt, sondern guter Fußball, bei dem Torchancen nicht einfach durch Zufall entstanden. Denn "zufällig" waren die sauber rausgespielten Aktionen der Aachener sicher nicht, die sie nach nicht ganz dreißig Minuten erstmals zum Torerfolg brachten.

Doch bevor der gewünschte Zähler auch auf der Videowand sichtbar wurde, gab es zugenüge Aktionen, bei denen es nicht ganz gereicht hatte - wie beispielsweise die Freistöße Aimen Demais, die allerdings immer nur die Latte trafen, einmal damit sogar Tobias Feisthammel die nächste Torchance ermöglichten, doch der Innenverteidiger scheiterte am Schlussmann der Bochumer.
Zehn Minuten später sollten die Alemannen dann endlich das Quäntchen Glück im Abschluss bekommen, als der starke David Odonkor mit rasender Geschwindigkeit auf VfL-Keeper Luthe zusteuerte. Mit einem wunderschönen Schlenzer vollstreckte der Aachener kaltblütig. Alles andere als kalt war dahingegen die Reaktion auf den Rängen: Die Alemannia führte und das nicht unverdient - man konnte es kaum glauben!

Ebenso schwer war zu glauben, dass sich die Alemannia damit nicht zufrieden stellte, sondern sogar noch einen drauflegte - und das Ganze sogar noch vor der Pause!
All das, was das Alemannia-Herz in der Vergangenheit so schwer gemacht hatte, sollte an diesem Tag ausbleiben: Denn in Minute 39 war es wieder Wintereinkauf-Odonkor, der den Ball von der Grundlinie in den Strafraum flankte. Stiepermann kam nicht hinterher, das Leder prallte an der Bochumer-Innenverteidung ab - direkt vor die Füße von Albert Streit, der sich am Strafraumrand ein Herz fasste und zum 2:0 Pausenstand vollstreckte.

Nur schwer waren die fünfzehnminütige Pause im nahezu direkten Anschluss zu ertragen. "Gab es das?", fragte man sich nicht nur auf den Rängen. Denn wie lange bitte war es her gewesen, dass man zur Pause mit 2:0 geführt hatte?
So froh man über den hohen Spielstand zur Pause allerdings auch war, umso mehr erschrak man, wenn man sich an das vergangene Wochenende erinnerte: 3:3 in Ingolstadt, und das obwohl man zur Pause mit 2:1 geführt hatte. Ging da noch was für den VfL?

Ja, es ging - oder besser gesagt: Er ging. Denn VfL-Abwehrmann Bönig musste nach 53. Minuten vorzeitig das Spielfeld verlassen, wo er sich doch, im Foul an David Odonkor, bereits die zweite Gelbe-Karte in diesem Spiel abgeholt hatte.
Zu 10. lag der VfL Bochum also nun schon eine gute halbe Stunde vor dem Ende zurück - und keine Besserung war in Sicht. Denn die Alemannen wollten ihr Spiel ruhig zu Ende spielen, zogen sich zwar zurück und verloren ein bisschen Druck im Spiel, doch der konstante Spielaufbau garantierte dafür, dass für die Blau-Weißen in der Kaiserstadt nichts mehr zu holen war. So sollte zumindest die Schar an Bochumer-Fans, die vorzeitig das Stadion verlassen hatte, nichts mehr verpassen.

Denn nach neunzig Minuten war es dann soweit: Die Alemannia fuhr ihren vierten Sieg der Saison ein und behält so den Anschluss an die Mitkonkurrenten. Im Spiel gegen den MSV Duisburg (Samstag, 14.04.) muss dann angenknüpft werden und eine ebenso gute Leistung gezeigt werden, um dafür zu garantieren, dass die Alemannia im Abstiegskampf auch noch ein Wörtchen mitzureden hat.

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Stichwort: Vertrauen

Alemannia will an die gute Leistung in Ingolstadt auch gegen Bochum anknüpfen!




Gerade einmal drei Tage sind seit der kuriosen Partie in Ingolstadt vergangen, wenn die Alemannia am morgigen Mittwochabend den Lokalrivalen aus Bochum empfängt – eine relativ kurze Zeit, um sich auf einen neuen Gegner einzustellen. Doch den groben Rahmen hatte man schon am Wochenende geschaffen, als man sich beim FC Ingolstadt unter der Leitung von Neu-Coach Ralf Aussem völlig anders präsentierte. Man hatte sicherer gestanden, als zuletzt, und nach vorne effektiver – in die Lücken – gespielt; war dicht am Gegner und hatte, bis in den Schlussminuten, hinten nichts anbrennen lassen. Diese positive Veränderung soll keine einmalige Geschichte bleiben, am Mittwochabend soll der Auftrieb übernommen werden, sodass am Ende dann die wichtigen drei Punkte stehen. Auch wenn es in der fünft letzten Begegnung um alles geht, sieht der Coach das Derby nicht als „Endspiel“ an. Aussem: „Abgerechnet wird am sechsten Mai!“

Die Devise des 51-Jährigen war schon zu Amtsantritt klar: Den Weg nur mit denjenigen gehen, die bereit dafür sind. Und getreu diesem Motto hatte der Neu-Coach seine Elf am Sonntag auch aufgestellt. Für die vier Stammspieler um Kapitän Auer, Sibum & Co. standen junge Männer auf dem Platz, die unter Aussems Vorgängern nur selten die Chance bekamen, sich zu präsentieren. Dementsprechend motiviert waren die Leute, die dafür sorgten, das Alemannia schon früh in Führung ging – allen voran Dortmund-Leihgabe Marco Stiepermann.
Doch auch erfahrenen Leuten wie David Odonkor oder Anouar Hadouir schenkte Aussem sein Vertrauen – und das ist in den Wochen des Zittern und Hoffens ja auch mit das wichtigste: Vertrauen. Auf die Leute, die Spieltag für Spieltag nun um die Existenz des Kultklubs kämpfen. Vertrauen darauf, dass die Alemannia am Ende über'm Strich steht, die Klasse hält, egal wie. Durch den geschaffenen Vorsprung von acht Punkten auf einen Nicht-Abstiegsplatz scheint das letzte Ziel nämlich die Relegation zu sein, in welcher wiederum zwei Spiele darüber entscheiden, wer in der nächsten Jahr in Liga Zwei, wer in Liga Drei seine Schuhe schnüren darf.

Um dafür zu garantieren, dass es nicht die Alemannia sein wird, die am Ende dieser Spiele (oder gar am Ende dieser Saison) als Verlierer und Absteiger dasteht, sollen aus den kommenden Spielen so viele Punkte wie möglich geholt werden. Personell unterstützen könnte die Schwarz-Gelben hierbei Tobias Feisthammel, der Trainer Ralf Aussem nach seinem Bänderriss ab sofort wieder zur Verfügung steht. Und der blonde Innenverteidigers ist genau zur richtigen Zeit genesen, denn nach der Partie bei den Franken muss Trainer Aussem neben dem Grippe geschwächten Mirko Casper auch auf Seyi Olajengbesi verzichten. Der Nigerianer hatte im Spiel gegen den FCI die fünfte Gelbe Karte gesehen und muss somit ein Spiel passen.

Verpassen sollte die Partie am Mittwochabend allerdings kein Alemanne, denn im Abstiegskampf zählen die Schwarz-Gelben auf jeden, der sie von den Rängen aus unterstützt. Ungünstig dafür ist für viele Berufstätige allerdings die Anstoßzeit um 17:30 Uhr. Versuchen sollte man es trotzdem, auch wenn man dann vielleicht erst später am Tivoli eintreffen kann, als üblich. Denn jeder zählt, jetzt, wo der finale Tag immer näher rückt, wo es um das nackte Überleben geht. Denn nur gemeinsam sind wir stark!

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Verlorene Punkte in Ingolstadt

Alemannia überzeugt und sichert doch nur einen Punkt!




Es ist schwer die richtigen Worte für das zu finden, was man am Sonntagnachmittag gefühlt und erlebt hat, als vor dem Gästeblock diejenigen in die Knie gingen, die über neunzig Minuten um das nackte Überleben ihres Vereins gekämpft hatten. Nicht nur einmal war man im Audi Sportpark in Führung gegangen, war immer da wieder zurückgekommen, wo der ein oder andere schon längst die Flinte ins Korn geworfen hätte. Man hatte dem rettenden Erfolg nahezu ins Auge geblickt – und am Ende dennoch nicht gewonnen.

Umso enttäuschter waren die Gesichter der 800 Seelen, die ihre Mannschaft ins rund 570 Kilometer entfernte Ingolstadt begleitet hatten. Ihr Team hatte sich bemüht wie noch nie und dabei die wohl beste Leistung der Saison gezeigt, doch wieder einmal wurde man dafür nicht belohnt. Einen großen Teil dazu trugen die Unparteiischen bei, die durch fragwürdige Entscheidungen das Spiel bestimmten. Die dadurch entstandene Unsicherheit, die Selbstzweifel und der eigene Leistungsabbau verstärkten dabei nur noch das Gefühl, dass es am Sonntag einfach nicht hat sollen sein.

Dabei hatte sich Ralf Aussem nichts sehnlicher gewünscht, als bei seinem ersten Auftritt als Alemannen-Coach im neuen Jahr einen Sieg einzufahren. So hatte der 51-Jährige sein Team auf gleich mehreren Positionen umgestellt: Sowohl Kapitän Benjamin Auer als auch Stammsechser Bas Sibum, Sergiu Radu und Shervin Radjabali-Fardi verordnete Aussem neben sich auf die Ersatzbank. Im defensiven Part veränderte der neue Mann an der Seitenlinie zunächst nichts, vertraute mit Boy Waterman, Kim Falkenberg, Seyi Olajengbesi, Mirko Casper und Timo Achenbach auf die Männer der letzten Wochen. Aimen Demai bekam mit Neuzugang Albert Streit einen neuen Partner auf der Doppelsechs, Alper Uludag und David Odonkor sollten die Flügel berennen. Hinter der einzigen Spitze Marco Stiepermann füllte Anouar Hadouir die Zehnerposition. Zudem war Offensiv-Allrounder Sascha Marquet mit im Aufgebot der Schwarz-Gelben.


Das Gäste-Team um Kapitän Kim Falkenberg sorgte von Anfang an dafür, dass den Hausherren wenig Platz geboten wurde. Hinten stand man sicher, vorne suchte man den Weg zum Tor von Keeper Özcan. Man spielte schnell in die Zwischenräume, stand eng am Mann und lauerte auf Konter – soweit die Devise von Interimstrainer Ralf Aussem.
Doch anders als in den 28 Partien zuvor nahm sich die Elf den Worten ihres Trainers an. Man spielte nicht wie der Tabellenletzte aus Liga Zwei, wie ein Absteiger in Liga Drei. Man spielte stattdessen schönen Kombinationsfußball, der auch schnell belohnt wurde. Denn das gezeigte Engagement sollte schnell Früchte tragen: Einem Ballverlust von Marvin Matip zufolge kam Marco Stiepermann an den Ball und stolzierte frei auf das Tor von Özcan zu. Als er den Schlussmann der Franken umkurvt hatte schob er lässig zur 1:0 Führung ein.

Es war das erste Tor der Dortmund-Leihgabe, doch es sollte leider nicht das letzte an diesem Tag sein. Die Alemannia hatte bis kurz vor der Pause stets gute Aktionen, sich aber nie konsequent genug gezeigt. Als sich die Anhänger der Schwarz-Gelben schon über die Pausenführung freuten, traf Stiepermann erneut: Doch dieses Mal ins falsche Tor!
Bei einer harmlosen Standardsituation geriet der 21-Jährige ins Stolpern, Mirko Casper hatte den eigenen Mann unglücklich geschubst, sodass er den Ball ebenso unglücklich mit der Hüfte ins eigene Tor bugsierte.
Die Freude auf den Rängen dahin, doch die Halbzeit war noch nicht vorbei! Denn auf der anderen Seite sorgte ebenfalls eine Standardsituation für einen Ausnahmezustand während der fünfzehnminütigen Halbzeitpause: Alper Uludag hatte eine Ecke genau auf den Kopf von Abwehrrecke Seyi Olajengbesi gezirkelt, der Innenverteidiger hatte frei vor Özcan keine Probleme, das Leder zum 1:2 – dem endgültigen Halbzeitstand – einzunetzen.

Den Seitenwechsel erlebte der angeschlagene Mirko Casper nur von der Ersatzbank aus mit. Für den erfahrenen Abwehrmann stand in Hälfte Zwei der nicht weniger erfahrene Thomas Stehle auf dem Platz, was an der Ausgangslage allerdings nichts änderte: Alemannia führte, verdient, und machte nicht den Anschein, in den letzten fünfundvierzig Minuten daran etwas zu ändern – im Gegenteil! Alemannia wollte noch einen drauflegen, nachlegen, nicht aufgeben – und zwar in Form von Marco Stiepermann! Der neue Mann im Aachener Startaufgebot kam wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff am Strafraumrand an den Ball, ließ gleich zwei Mann der Ingolstädter Defensive hinter sich und vollstreckte anschließend aus der Distanz zum 1:3!

Der junge Angreifer hatte seinen Fehler aus der ersten Halbzeit wieder glatt gebügelt, indem er die Alemannia ein Stückchen näher zum Erfolg brachte. Von den Rängen erschallte ein „Stiepermann, Stiepermann, Stiepermann!“, die Alemannia führte mit zwei Toren Vorsprung doch noch war ja nicht Ende im Ingolstädter Audi Sportpark.
Die Alemannen ruhten sich leicht auf ihrer Führung aus, der Druck wurde etwas runter gefahren – man ließ die Hausherren kommen. Als Anouar Hadouir mit einem Krampf an der gegnerischen Strafraumgrenze zu Boden ging ließ Schiedsrichter Fischer einfach weiterspielen. Dadurch, dass David Odonkor versuchte, den Teamkollegen von seinen Schmerzen zu befreien war die gesamte rechte Seite der Aachener ausgehebelt, Ingolstadt kam zum ersten Mal gefährlich in Strafraumnähe, doch Seyi Olajengbesi klärte den Ball im Sechszehner sicher vor Angreifer Schäffler. Die Situation bereinigt wartete man nun darauf, dass sich Fischer endlich zu Hadouir begab, der sich am Boden immer noch vor Schmerzen räkelte. Doch der Unparteiische deutete statt auf die medizinischen Leiter der Alemannia auf den Punkt: Strafstoß für den FC, wo „Ola“ doch klar den Ball gespielt hatte! Eine falsche Entscheidung, die mit spielentscheidend wurde! Denn Leitl, der den Strafstoß schlussendlich ausführte, traf, obwohl sich Waterman die richtige Ecke ausgesucht und das Leder sogar berührt hatte. Dem Ergebnis tat dies nichts an, die Alemannia führte nur noch mit einem Zähler Vorsprung – und es waren noch ganze dreizehn Minuten zu spielen!

Und die Gastgeber drängten auf den Ausgleich! Die Alemannia hatte für den ausgelaugten Stiepermann jetzt Sergiu Radu eingewechselt, der vor dem gegnerischen Tor die Chance zum entscheidenden 2:4 allerdings um ein Haar verpasste. Und so waren es die Hausherren, die auf der anderen Seite mehr Glück im Abschluss hatten: Eine Flanke traf Schäffler perfekt mit dem Kopf, der nicht herausgekommene Boy Waterman hatte beim platzierten Kopfball ins linke obere Eck keine Chance. Doch auch die Alemannia bekam noch einmal die Chance, das Spiel für sich zu entscheiden, doch die Flanke von Neuzugang Streit fand Sergiu Radu am langen Pfosten nicht. Und so blieb es beim 3:3 Unentschieden nach neunzig Minuten. Die Schwarz-Gelben gingen vor dem Gästeblock in die Knie. Sie hatten gekämpft bis zum Schluss, dabei die beste Leistung der Saison gezeigt – und dennoch nicht gewonnen. Seyi Olajengbesi war nur ein Beispiel dafür, wie der bittere Abstiegskampf auch den Akteuren auf dem Platz zusetzte. Der Nigerianer strich sich winzigen Tropfen aus Auge und Gesicht, ehe er zur Kabine umdrehte – man hatte ein gewonnen geglaubtes Spiel „verloren“. Da kullerten auch schon einmal die Tränen.

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Aussems erste Härteprobe

Interimscoach fordert vollen Einsatz in Ingolstadt





Aussem kennt Mannschaft und Verein.“ – das seie der Hauptgrund dafür gewesen, sich für den Ex-Profi zu entscheiden, der zur Zeit neben der U23-Mannschaft auch das Nachwuchsleistungszentrum am Tivoli leitet. Denn der 51-Jährige hatte schon am siebten Spieltag das Vergnügen, bei der Partie der ersten Mannschaft gegen die Kleeblätter aus Fürth an der Seitenlinie Platz zu nehmen. Damals drohte die Mannschaft im Abstiegssumpf zu versinken, man hatte gerade sich gerade von Ex-Trainer Hyballa getrennt und sah in Aussem nur eine „Übergangs-Lösung“. Doch trotz der geringen Zeit, in der sich der Interimstrainer auf sein Team einstellen konnte, gewann man mit 0:0 gegen denjenigen, der jetzt nicht ohne Grund an der Tabellenspitze steht.
Wenige Tage nach dem Erfolg gegen die Grün-Weißen wurde dann der erfahrene Fußballlehrer Friedhelm Funkel verpflichtet, nachdem er zuvor beim Ligakonkurrenten aus Bochum (damals Platz 18) im Abstiegskampf gescheitert war. Doch auch in Aachen konnte der 57-Jährige die Alemannia nicht vor dem weiteren Absturz bewahren: Nachdem man auf den letzten Platz der Tabelle abgerutscht war, schaffte man es, sich bis auf den 13. Tabellenplatz vorzukämpfen. Doch man fühlte sich zu sicher, rutschte wieder in den Abstiegssumpf und markiert jetzt, vor der ersten Partie ohne Friedhelm Funkel, wieder das Schlusslicht der zweiten Fußballbundesliga.

Nachdem er zwanzig Spiele Zeit hatte, die Alemannia vor dem zu bewahren, was ihr jetzt unmittelbar bevorsteht, hatte man ihm am Sonntagvormittag den Laufpass gegeben – fristlos gekündigt, unspektakulär, voraussehbar. Nun soll Ralf Aussem den Kultklub vor dem Abstieg retten – und bekommt dafür gerade einmal sechs Spiele Zeit.
Seiner ersten Härteprobe muss sich der Neu-Coach gleich am Sonntag stellen, wenn er zusammen mit seiner Elf zum FC Ingolstadt reist, dem Tabellendreizehnten aus Franken, der sich mit 29 Punkten allmählich aus dem dunklen Tabellenkeller befreit hat. Auch wenn Aussem den Kader so zu übernehmen hat, wie ihn seine Vorgänger hinterlassen haben, könnte es durchaus möglich sein, dass auf dem Spielberichtsbogen andere Namen auftauchen, als zuvor. Schon bei seinem Amtsantritt hatte Aussem angekündigt, sollte es Spieler in seinem Team geben, für die der Klassenerhalt ihres Vereins zur Zeit nicht an erster Stelle steht, er diesem Weg eben ohne sie gehen wird. Zudem setzt der Coach auf Nachwuchs aus der Zweitvertetung. So könnten zum Beispiel Dennis Pozder und Sascha Marquet am Sonntag ihre Chance bekommen, wo die beiden Spieler aus Aussems U23 schon die ganze Woche über mit den Profis trainieren. Doch in dieser Hinsicht bleibt der Coach beider Teams zwiegespalten: Einerseits will er das Aufgebot der Amateure nicht zu sehr schwächen, wo diese in der NRW-Liga zur Zeit ja einen Aufstiegsrang belegen. Andererseits würde sich ein Aufstieg dieser nur bei Klassenerhalt der Profis ereignen, sodass Aussems Worte klar sind: „Die Profis stehen jetzt im Vordergrund!“

Diese allerdings müssen beim Auftritt im Audi-Sportpark auf Kevin Kratz verzichten, der sich einen Muskelfaseriss im Adduktorenbereich zugezogen hat. Der 25-Jährige, der sich zur Zeit im Aufbautraining befindet, wird allerdings schon Anfang der nächsten Woche wieder zur Mannschaft stoßen. Zur Mannschaft stieß unter der Woche auch Tobias Feisthammel. Nach seinem Bänderriss hat der 24-Jährige am Dienstag wieder zur Mannschaft gefunden, laut Trainer Aussem kommt ein Einsatz für den konstanten Innenverteidiger allerdings noch nicht in Frage.

Wie auch zur Auswärtspartie beim FSV Frankfurt stellt die Alemannia am Ostersonntag Busse zur Verfügung, um dafür zu garantieren, dass die Schwarz-Gelben von einer ausreichenden Masse an Fans begleitet wird. Angepfiffen wird die Partie um 13:30 Uhr, erwartet werden rund 500-700 Zuschauer aus der Heimat.

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Alemannia zieht die Notbremse

Funkel muss seine Koffer packen – Aussem soll Alemannia retten!



Mit der Pleite gegen Dynamo Dresden stieg die Zahl der Niederlagen in Folge auf beachtliche fünf an, was am Tivoli einen radikalen Handlungsbedarf auslöste. Schon am Freitag konnte man aus den Interviews von Manager Meijer raushören, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, bis man nun auch Trainer Friedhelm Funkel den Laufpass gab. Am gestrigen Sonntag hatte sich dann der Aufsichtsrat zusammengesetzt und darüber entschieden, dass der erfahrene Fußballlehrer am Tivoli keine Zukunft mehr hat.

Nach der Entlassung Peter Hyballas im September des vergangenen Jahres war Funkel mit der Aufgabe, das Team aus dem Abstiegswahn zu befreien, in die Soers gekehrt. Seine Bilanz: 17 Punkte aus 20 Spielen – zu wenig, wenn man bedenkt, in welcher Situation sich die Alemannia schon seit dem ersten Spieltag befindet. 
Als Konsequenz hatte der 58-Jährige gestern seine Koffer zu packen, wurde, zusammen mit Co-Trainer Christoph John, mit sofortiger Wirkung "beurlaubt".
Eine Alternativlösung hatte man direkt in Petto: Heute Morgen übernahm Ralf Aussem die Profis, die er schon einmal in dieser Saison als Interimscoach betreut hatte, und wird sie nun nicht nur auf das Spiel in Ingolstadt (Ostersonntag, 08. April – 13:30 Uhr), sondern auch die verbleibenden sechs Begegnungen vorbereiten. Der 51-Jährige, der zur Zeit nicht nur als Trainer der U23-Mannschaft tätig ist, sondern unter anderem auch das Nachwuchsleistungszentrum leitet, seie vertraut mit Mannschaft und Verein, weswegen man sich am Tivoli "für diese interne Lösung entschieden" habe. 

Aussem stehen nun zunächst sechs "End"-Spiele bevor, in denen es klar um den Verbleib in Liga 2, die Existenz dieses Klubs geht. Durch den Sieg des Karlsruher SCs (2:0 über Union Berlin) und der Punkteteilung zwischen den Zebras aus Duisburg und Ingolstadt (1:1) sind die Schwarz-Gelben nun auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht, bereits sieben Punkte beträgt die Differenz auf einen Nicht-Abstiegsplatz.
Der 51-Jährige, der früher selbst jahrelang in der zweiten Liga aktiv war, hat schon jetzt eine klare Vorstellung von seiner Arbeit bis zum Saisonende: "Die Alemannia muss in der Zweiten Liga bleiben!" Doch das ist leichter gesagt, als getan. Aussem bleibt daher seiner strengen Linie treu: "Sollte es Spieler in der Mannschaft geben, die dazu nicht bereit sind, werden wir den Weg eben ohne sie gehen!" – so einfach ist das eben.

Hätte man zuvor mit solch einer Konsequenz gehandelt, wäre es vielleicht nie so weit gekommen – dann wäre die Alemannia vielleicht nie soweit abgegrutscht, wie sie es jetzt ist. Doch da man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann, bleibt es dabei: Es kann nur nach vorne geblickt werden. Auf eine Zeit, die besser sein wird, als die jetzige; eine Zeit ohne Abstiegsangst, ohne Zitterpartien und schweißnasse Hände. Eine Zeit ohne Friedhelm Funkel und Christoph John – es hat eben nicht sollen sein.