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Showdown in München

 Rettung in letzter Sekunde? Alemannia will das Wunder!


Man hatte Schwarz-Gelb schon von dem Papier gestrichen und als ersten, direkten Absteiger tituliert, als die Elf von Trainer Ralf Aussem am Sonntag den Startschuss für eine fulminante Aufholjagd gab. Mit dem Sieg über Mitkonkurrent Karlsruhe, der sich dadurch nur noch mit zwei Punkten Abstand in erreichbarer Nähe befindet, hält sich die Alemannia weiterhin den Sprung auf den Relegationsplatz warm. Ein Sieg über die Münchener Löwen würde dann - sollte parallel die Eintracht aus Frankfurt nicht die zweite Niederlage in Folge kassieren - das Wunder perfekt machen: Schwarz-Gelb wäre wieder da, hätte sich mit dem Relegationsplatz eine zwei-Spiele-Verlängerung gesichert und würde somit dem Traum, auch in der nächsten Saison in Liga Zwei zu kicken, wieder ein Stückchen näher kommen.

Doch bevor man am Tivoli das Wort "Relegation" in den Mund nehmen darf, muss die am vergangenen Sonntag gestartete Serie in der bayrischen Landeshauptstadt fortgesetzt werden. Und wenn man allein der Statistik vertraut, sollte dies nicht allzu einfach werden.
Denn die Münchener Löwen haben noch nie ein Heimspiel gegen die Kicker aus der Kaiserstadt verloren und gingen in insgesamt dreiundzwanzig Partien fünf Mal als Sieger hervor. Schwarz-Gelb behielt acht Mal die Oberhand, die Hälfte der Begegnungen endeten Unentschieden. Außerdem ist Weiß-Blau zuletzt seit fünf Spielen ungeschlagen; die letzten, welche die Löwen bei der Mähne nahmen, waren die Rostocker, die damals gleich wie jetzt die Aachener noch um den Klassenerhalt kämpften. Jetzt steht der traditionelle Ostseeklub als erster Absteiger in Liga 3 fest.

Doch die Alemannia ist ja (vor allem in dieser Saison) bekannt dafür, sich vollkommen gegen die Statistik zu wenden und diese mit ihrem Handeln zu zerbrechen. So schaffte man schließlich in den wenigen Siegen (gerade einmal fünf an der Zahl), die man in dieser Saison verzeichnen konnte, Namen wie den FC St. Pauli mit auf die Liste zu bringen. Außerdem lieferte man immer dort gute Spiele ab, wo man es kaum erwartete. Mit München erwartet Schwarz-Gelb also eine harte Nuss, die aber durchaus zu knacken ist.

Bei vielen Spielen in der noch laufenden Spielzeit, die am Sonntag ihren Abschluss findet, war man im Vorfeld allerdings davon ausgegangen, dass der kommende Gegner durchaus zu schlagen sei. Fünfzehn Mal traf das genaue Gegenteil ein, dreizehn Mal teilte man sich die Punkte - und das obwohl Schwarz-Gelb so häufig sogar bis zum Ende in Führung gelegen hatte.
Ja, die Aachener hatten es nicht immer einfach gehabt diese Saison. Ganze drei Trainer versuchten ihr Glück am Tivoli - die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Hinzu kam die unbelohnte gute Leistung, das Pech mit Fehlentscheidungen der Unparteiischen aber auch die fehlerhafte Zusammenstellung bzw. der falsche Umgang mit dem Etat für den Kader. 
Unter'm Strich bleibt diese Saison - wie auch immer sie in den nächsten Tagen enden - eine jene, die man schnell zu den Akten legen und wieder vergessen will.

Noch jedoch brennt man vor Vorfreude auf den kommenden Sonntag, an dem es dann in München um alles oder nichts geht. Bei Niederlage, einem Unentschieden oder sogar eigenem Sieg, während der Karlsruher SC zuhause ebenfalls als Sieger vom Platz geht, muss die Alemannia erstmals seit vierzehn Jahren den Weg ins Unterhaus antreten. Bei drei Punkte Gewinn und einer gleichzeitigen Niederlage des KSCs (oder einer Punkteteilung mit der Frankfurter Eintracht) würden zwei Spiele - in und gegen Drittligist Regensburg - über die Zukunft des Kultklubs entscheiden.

Bislang ist nur entschieden, wer den Weg in die südliche Region Deutschlands definitiv nicht antreten wird. Sowohl Anouar Hadouir (Innenbandreizung) als auch Landsmann Bas Sibum (Mittelfußprellung) fehlen Coach Aussem im wichtigsten Spiel des Jahres. Nach Gelbsperre wird Albert Streit zurück ins Aufgebot kehren, ob er Kevin Kratz, der im Spiel gegen den Karlsruher SC eine starke Leistung an den Tag gelegt hatte, allerdings aus der Startelf verdrängen wird, ist noch unklar.

Und auch nicht ganz klar ist, wie viele Anhänger die Schwarz-Gelben letztendlich zum Spiel der Spiele begleiten werden. Über 1.000 Karten konnte die Alemannia schon beim Verkauf in Aachen an den Mann bringen, gerechnet wird mit über 3.000 Fans. Ganze 15 gesponserte Busse werden zur Verfügung gestellt, um dafür zu garantieren, möglichst viele Aachener Anteil an diesem besonderen Spiel nehmen zu lassen. Denn jetzt geht es um alles, um die Existenz eines gesamten Vereins. Hier steht so viel auf dem Spiel, nie war der Zusammenhalt wichtiger als zuvor. Denn nur gemeinsam kommt man an's Ziel, nur gemeinsam ist man stark, kann gewinnen und die Klasse halten. Alle zusammen, nach München, für Aachen - und den verdammten Klassenerhalt!

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