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Zwischen Szylla und Charybdis

Der Rückblick auf das Jahr 2011




Wo man vor gut einem Jahr von Höhen und Tiefen sprach, die sich über das gesamte Jahr erstreckten, könnte man das laufende wohl nur noch mit einem dieser Wörter korrekt beschreiben.
Das Alemanniajahr 2011 war im Gegensatz zum letzten ein einziges
Tief – Als Leistungsträger den Verein verließen ging man sportlich in die Knie, stand finanziell vor dem Abgrund und machte sich somit mehr oder weniger Feinde in den eigenen Reihen. Das Schlimmste scheint bereits überstanden zu sein, geht man optimistisch davon aus, dass am Tivoli nun endlich Besserung in Sicht ist. Auch wenn der ein oder andere weiterhin seine Zweifel haben wird, ob diese Phase der Besserung nicht nur die Ruhe vor dem großen Sturm markiert, steht schon jetzt fest, dass man dieses Jahr schnell zu den Akten legen sollte. 2011 war für Alemannia ein Jahr, dass es auf negative Art und Weise in sich hatte – dabei hatte doch alles so gut angefangen...


Unter Trainer Hyballa war die Alemannia Anfang des Jahres ins Trainingslager nach Spanien geflogen, um sich dort fünf Tage lang auf das kommende Jahr einzustellen und sich für die folgende Rückrunde vorzubereiten. Denn schon wenige Tage nach der Wiederankunft in der kalten Heimat sollte man im DFB-Pokal auf einen Gegner treffen, mit dem man am Tivoli bislang eine der größten Highlights verband – den FC Bayern München.
Nachdem man Ende 2010 im Achtelfinale die Eintracht aus Frankfurt mit 5:3 im Elfmeterschießen aus dem Pokal gekickt hatte, sollte man im Viertelfinale auf den Rekordmeister aus München treffen, den man in den letzten beiden Begegnungen stets mit einer Niederlage nach Hause geschickt hatte.

Alles freute sich auf das Highlight am ausverkauften Tivoli –
Alle guten Dinge sind drei, hieß es, wollte man schließlich auch im dritten Aufeinandertreffen auf die Bayern im Pokal einen Erfolg erringen. Doch es kam anders, als man sich das Ganze erhofft hatte. Zum Ende leuchtete auf der Videowand ein deutliches 0:4 für die Gäste auf – und das war, unter'm Strich, in der Höhe eigentlich nicht mal so verdient.
Mit dem Ausscheiden aus dem Pokal konnte man sich in der Soers wieder auf die Liga konzentrieren, doch obwohl man 7 Spiele aus 17 Rückrundenspielen für sich entschied, ging in der Tabelle nicht mehr viel. Man beendete die Saison auf dem zehnten Tabellenplatz, schloss mit der Ära des alten Tivolis ab, indem man den Startschuss für einen Abriss gab, der sich dann allerdings doch noch um Monate verzögerte, und ließ zum Ende Leistungsträger ziehen, die man in dieser Form in der neuen Saison nicht kompensieren konnte.
Schon früh hatte der Verein bekannt gegeben, dass der wohl leistungsstärkste Spieler der Alemannia seine Schuhe ab der kommenden Saison für den FSV Mainz 05 schnüren wird. Zoltán Stieber verließ die Schwarz-Gelben in Richtung Bundesliga und war damit nicht der einzige, der sich von einem Wechsel viel erhoffte. Denn Marco Höger tat es ihm gleich – das Gewächs der Alemanniajugend wechselte kurz bevor das Transferfenster schloss zum Erstligisten Schalke 04. Auch wenn man sich erhoffte, zumindest Tolgay Arslan, eine Leihgabe des Haburger Sportvereins im Westen halten zu können, wurde man enttäuscht – von drei Leistungsträgern blieb niemand übrig, doch die könnte man ja durch die Ablösen ersetzen, versprach zumindest Manager Meijer.

Und so wurde eingekauft am Tivoli. 10 Neuzugänge hatten die Schwarz-Gelben zu vermelden, als sich das Transferfenster endgültig schloss – doch der große Fisch, den der Niederländer so lange versprochen hatte, folgte erst im Anschluss. Ex-Nationalspieler und WM-Held David Odonkor konnte nämlich auch noch nach der abgelaufenen Frist an den Tivoli wechseln, war der 27-Jährige schließlich an keinen Verein gebunden – doch das sollte sich ändern; nicht aber so die Misere, welche die Alemannia zu dieser Zeit erlebte.
Man war so schlecht wie nie in die Saison gestartet, verlor von Spieltag zu Spieltag nicht nur wertvolle Punkte sondern auch das Vertrauen der Fans, die jede Woche ihrem Team hinterher reisten. Aber es sah nicht danach aus, dass sich an dieser Tatsache in naher Zukunft etwas änderte, denn die Aachener Offensive schien nahezu eingefroren. Tore waren Mangelware, dauerte es schließlich bis zum dritten Spieltag, bis die Kugel das erste Mal den Weg ins Tor fand – doch am ersten Treffer beim FC St. Pauli durch Tobias Feisthammel, einem Innenverteidiger, waren die sonst dafür verantwortlichen Stürmer in keinster Weise beteiligt. Trotz des ersten Torerfolgs blieb auch ein Sieg in der Hansestadt aus. Unmittelbar nach dem Spiel – um genau zu sein nach der Begegnung in Paderborn – hatte Trainer Hyballa als Resultat des Misserfolgs seine Koffer zu packen. Der junge Trainer hatte in Aachen eine Chance erhalten und sie nicht genutzt. Alemannia stand am Abgrund und das nicht zu knapp!
Friedhelm Funkel, der erfahrene Fußballlehrer, der kurze Zeit vorher beim direkten Tabellennachbarn gefeuert worden war, sollte nun mit den Schwarz-Gelben den Ausweg aus dem Dunklen finden. Sportlich war man am Ende, markierte seit Saisonstart fast durchgehend das Schlusslicht der zweiten Bundesliga – doch auch unter Funkel änderte sich daran kurz nach dem Amtsantritt erst einmal nichts.
Es dauerte bis zum zwölften Spieltag, bis die Alemannia das erste Mal drei Punkte einfahren konnte. Punkte, die den Startschuss für eine bessere Zeit gaben, die wieder hoffen ließen.

Zum Ende der Hinrunde und des Jahres 2011 hat das Team von Trainer Funkel den Sprung aus den grauen Abstiegszonen geschafft. Nach 19 Spieltagen fand man sich auf dem 14. Tabellenplatz wieder, der auf eine bessere Zeit hoffen lässt. Mit 3 Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz hat sich die Alemannia eine Basis geschaffen, auf die aufzubauen ist – konnte zwei Mal siegen und hat zuletzt fast durchgehend mindestens einen Punkt eingefahren.

Das Fazit eines turbulenten Jahres 2011 ist daher leicht in Worte zu fassen. Es war nicht alles einfach in diesem Jahr, es hatte wohl deutlich mehr
Tiefen als Höhen und kann damit ohne Reue zu den Akten gelegt werden. Denn 2012 steht schon in den Startlöchern und bringt mit sich hoffentlich eine bessere Zeit, in welcher dann der Neuanfang gestartet werden kann – in der Alemannia wieder zu der Alemannia werden kann, die sie einmal war.
Abschließend möchte ich mich mit TypischLinksAussen für ein tolles Jahr bedanken. Denn auch der Blog hat sich in diesem Jahr verändert, entwickelt und verbessert; nicht nur in Design und Erreichbarkeit. Ich wünsche somit allen Lesern und Fans der Alemannia einen guten Rutsch ins neue Jahr, wo es mit TypischLinksAussen in eine neue Runde geht. Bis dann!

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Streit "ohne" Ärger

 "Skandal"-Profi ist Alemannias erster Wintereinkauf!


Nachdem bereits vor einigen Wochen rund um den Tivoli das Gerücht kursierte, dass "Skandal"-Profi Albert Streit vor einem Wechsel zu den Schwarz-Gelben steht, wurde dies vom Klub am gestrigen Morgen bestätigt. Streit ist Friedhelm Funkel noch aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt bekannt - der wohl einzigen, in der es für ihn, zumindest mit dem Trainer, keine Probleme gab.

Durch sein Verhalten außerhalb des Platzes war der Mittelfeldmann in letzter Zeit häufiger in die Schlagzeilen geraten, als dass er mit  fußballerischen Qualitäten überzeugen konnte. Zuletzt hatte er beim FC Schalke 04 angekündigt, seinen Millionenvertrag auszusitzen, nachdem er in die zweite Mannschaft suspendiert wurde, statt sich wie gewöhnlich nach einem neuen Verein umzuschauen. Nachdem der Rumäne dann auch noch gegenüber des Trainerteams der Amateurmannschaft ausfällig geworden war, leitete der Verein gerichtliche Schritte zur Vertragsauflösung ein, seitdem ist er vereinslos.

Doch die Alemannia möchte dem Spieler, in dessen Vergangenheit es zuletzt vielleicht nicht immer so rund lief, eine zweite Chance geben. Schließlich soll es in Streits Karriere auch durchaus positive Aspekte gegeben haben.
So stand der 31-Jährige bislang bereits beim VfL Wolfsburg, dem 1. FC Köln oder auch dem Hamburger Sportverein unter Vertrag, durfte neun Mal für die Deutschen bei Junioren-Länderspielen die Schuhe schnüren. 2006 gehörte er sogar dem "Team 2006" an, einem Perspektivteam aus Spielern, die aufgrund der WM im eigenen Land gefördert und anschließend in den A-Kader integriert werden sollten. Letzteres schaffte Streit allerdings nie.

Ab der Rückrunde wird Streit dann das Trikot der Alemannen tragen."Albert wird uns mit seiner Kreativität, seiner Dribbelstärke und seinen gefährlichen Standards dabei helfen, in der Rückrunde noch torgefährlicher zu werden", so Funkel. 
Am Tivoli unterschrieb der Offensivmann zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende.

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Eine kleine Prise Glück

 ... sollt' das Christkind bringen.




Wenn man Friedhelm Funkel vor der Partie gegen Eintracht Braunschweig nach drei Wünschen für Weihnachten gefragt hätte, dann wäre seine Antwort wohl ziemlich eindeutig ausgefallen. Beim letzten Spiel in diesem Jahr sollte seine Elf noch einmal punkten, um dafür zu garantieren, dass man auf dem vierzehnten Tabellenplatz überwinterte und im neuen Jahr noch einmal ganz von vorne anfangen konnte.
Auch wenn das Christkind meiner Wenigkeit schon eine Woche zuvor eine heftige Erkältung beschert hatte (weswegen die Stellungnahme auch mit grober Verspätung erscheint), sollte sich der Coach allerdings nicht einzig und allein darauf verlassen, dass es ihm seine Weihnachtswünsche schon frühzeitig erfüllte. Schließlich bestätigen Ausnahmen die Regel - und da Heiligabend erst am vierundzwanzigsten ist, wäre Friedhelm Funkel mit dem ganzen wohl ein wenig zu früh gewesen.

Doch wenn man überhaupt einmal einen Blick aus dem Fenster wagt, könnte man an der Tatsache, dass schon übermorgen das Weihnachtsfest gefeiert werden soll, zu zweifeln beginnen. Weder hier im tiefsten Westen, noch oben im Norden, konnte man sich bislang an der weißen Flockenbracht erfreuen, die der Winter sonst doch jährlich mit sich brachte.
In der Braunschweiger Innenstadt erledigten am Wochenende die letzten ihre längst fälligen Weihnachtseinkäufe, besorgten Geschenke für ihre Liebsten, was wohl besser als die Wunschlisten-Theorie auf den Plan Funkels zutreffen könnte: Die letzten drei Punkte einkaufen, um sie später, nicht unter einem Weihnachtsbaum, sondern in der Tabelle zu präsentieren und somit allen jenen, die sich einst um einen Abstieg Gedanken machten, ein Lächeln auf's Gesicht zaubern.

Um nicht vor Ladenschluss mit leeren Händen da zu stehen vertraute Trainer Funkel auf seine gewohnten Stammkräfte.
Boy Waterman hatte demnach seinen Kasten sauber zu halten, während sich die Abwehrreihe vor seinem Tor aus Kim Falkenberg und Timo Achenbach auf den Außenbahnen, sowie Tobias Feisthammel und Seyi Olajengbesi in der Innenverteidigung zusammen setzte. Davor teilten sich Bas Sibum und Aimen Demai die Sechserposition. Über Außen stürmten Shervin Radjabali-Fardi und Ray Yabo; im Zentrum markierte Sergiu Radu den Sturmpartner Benny Auers.


Den Plan, sich mit einem Sieg endlich abzusetzen und schon bald mit Abstieg nichts mehr zu tun zu haben, konnte die Alemannia in den Anfangsminuten nicht wirklich in die Tat umsetzen. Zu ihrem Glück zeigte die Eintracht zu Beginn ähnlich wenig Elan wie die Tivoli-Kicker, weswegen es bei einer lahmen Anfangsphase blieb.
Hier und da gaben Gäste und Gastgeber zwar einmal einen Schuss aufs gegnerische Gehäuse ab, doch wirklich gefährlich war keiner dieser Probeschüsschen. Umso überraschender ließen die Schwarz-Gelben ihre Anhängerschaft nach schon rund sechsundzwanzig Minuten aufjubeln: Timo Achenbach hatte das Leder mithilfe eines indirekten Freistoßes direkt auf den Kopf von Bas Sibum gezirkelt, der so nur noch hinhalten musste.

Effektivität, welche die Schwarz-Gelben wohl die gesamte Saison bisher benötigt hätten, verhalf ihnen zur plötzlichen Führung, sollte Sicherheit bringen und dafür garantieren, dass man die Halbzeitpause nicht verärgert an der Würstchentheke verbrachte und den Frust in sich hinein futterte.
Die Alemannia hat schließlich nicht grundlos die wohl schlechteste Hinrunde der Geschichte hinter sich - doch sollte das verkorkste Jahr doch noch mit einem Highlight gekrönt wurden?

Bis zum Pfiff jedenfalls passierte nichts mehr und auch nach dem Pausentee beließ es der Coach bei der Startaufstellung - brachte keine neuen Kräfte, wohingegen die Eintracht zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Mal gewechselt hatte.
Auch wenn die Eintracht demnach die wohl "frischeren" Leute auf dem Platz hatte, änderte dies nichts an der Tatsache, dass niemand der beiden Parteien die Überhand gewann. Ein ereignisarmes Spiel, ausgeglichen, eigentlich - und doch lag die Alemannia noch mit 1:0 in Führung.

Um diese Führung auch über die Zeit zu bringen reagierte Trainer Funkel nach gut einer Stunde und brachte Kevin Kratz für Ray Yabo, der somit sein erstes Spiel nach seiner Verletztenmisere absolvieren durfte.
Und der Wechsel des Eschweilers schien schnell seine Früchte zu tragen, bedenkt man, dass Keeper Davari schon Minuten später das zweite Mal in dieser Partie hinter sich zu greifen hatte - doch dieses Mal hatte der Linienrichter die Fahne gehoben. Und irrte sich bei dieser Entscheidung.
Nach einer schönen Hereingabe Achenbachs hatte Kapitän Auer die Kugel mit viel Gefühl über die Linie gedrückt und dabei nicht, wie fälschlicherweise entschieden, im Abseits gestanden.

Der Treffer hätte den Tivoli-Kickern die nötige Sicherheit gegeben und das Spiel vielleicht vorzeitig entscheiden können, doch wenn man sich den Verlauf der Saison einmal vor Augen führt, dann muss man wirklich mit Lupen nach den Augenblicken suchen, in denen die Alemannen einmal Glück hatten. Getreu nach dem Motto "Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu" von Jürgen Wegmann sollte es dann nämlich noch bitterer kommen.
Einen Moment der Unachtsamkeit hatte den Schwarz-Gelben in den Schlussminuten den Sieg gekostet. Nur wenige Minuten bevor Schiedsrichter Christian Leicher das Spiel beenden konnte, war Kumbela nach einer Hereingabe Reichels einen Schritt schneller gewesen, als Innenverteidiger Feisthammel, und musste dann nur noch einschieben.

Das Resultat der Eintracht-Partie spiegelt wahrscheinlich gut die gesamte Hinserie wieder. Nach 19 absolvierten Partien findet sich die Alemannia zur Winterpause auf dem vierzehnten Tabellenplatz wieder, womit zumindest einer der Wünsche Funkels in Erfüllung gegangen wäre. Der dritte, nämlich der, im neuen Jahr wieder ganz neu anzufangen und das Glück dabei auf seiner Seite zu haben, bleibt dem erfahrenen Fußballlehrer somit noch offen. Da kann man jetzt wohl nur noch hoffen, dass das Christkind zumindest dies für Funkel im Gepäck hat - eine kleine Prise Glück.

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Das Beste kommt zum Schluss

Alemannias Jahr endet wieder mit der Eintracht


Zum letzten Mal in diesem Jahr gastieren die Schwarz-Gelben in der Ferne, wenn Schiedsrichter Christian Leicher am Sonntagvormittag die Partie im Eintracht Stadion anpfeift. Im letzten Jahr konnte man sich als Anhänger der Schwarz-Gelben zu dieser Zeit auf ein weiteres Highlight neben dem Liga-Abschluss des Jahres freuen - nämlich auf die Pokalpartie gegen Eintracht Frankfurt, aus welcher man mit 6:4 (n.E.) als Sieger vom Platz geht.
Auch in diesem Jahr beendet die Alemannia ihr Fußball-Jahr mit der Eintracht. Auch wenn man dieses Mal statt der Hessen einen Gegner aus dem hohen Norden zu erwarten hat, soll das Ende vom Lied das selbe sein. Alemannia möchte punkten, als Sieger in die Heimat reisen. Und obwohl das örtliche Thermometer nur um die drei Grad misst und auch die Braunschweiger Wolken den Bewohnern und Gästen der Großstadt am Wochenende den Regen nicht ersparen wollten, scheinen die Voraussetzungen, trotz alledem, die Besten zu sein.

Wie bereits am vergangenen Wochenende 'patzten' alle Teams, die unter den Schwarz-Gelben in der Tabelle stehen, in ihrer Begegnung am neunzehnten Spieltag. Somit hätte die Elf von Trainer Friedhelm Funkel die Chance, bei einem Punktgewinn bei der Eintracht auf dem vierzehnten Tabellenplatz zu überwintern.
Angesichts der Tatsache, dass die Schwarz-Gelben bei seinem Amtsantritt vor 3 Monaten noch das abgeschlagene Schlusslicht markierten, dass alle Aussichten auf Erfolg nahezu verloren hatte, sollte dies den 58-Jährigen mehr als zufrieden stellen.
Auch wenn immer noch nicht geklärt ist, wie schwer die finanziellen Probleme der Alemannia auch im kommenden Jahr noch auf den Schultern liegen werden, bewegt man sich sportlich gesehen so langsam in einen Bereich außerhalb der Gefahrenzone.

Mit drei Punkten beim Tabellen-Achten aus Braunschweig könnte sich die Funkel-Elf über die Winterpause absetzen und hätte somit einen Abstand von wiederum drei Punkten auf den Relegations- und sogar fünf bis sechs auf die darunterliegenden Abstiegsplätze. Über die Winterpause allerdings auf letzteren zu verweilen, steht außer Frage.

Auch zur letzten Partie dieses Jahres weist die Liste aller Spieler, die in der laufenden Saison (so gut wie) noch kein einziges Mal von Friedhelm Funkel eingesetzt werden konnten, keine Änderungen auf. Neben Anouar Hadouir, der seinem Comeback wohl schon am nächsten stand, fehlen dem Chefcoach Florian Müller, Bilal Cubukcu, Kevin Maek und David Hohs. Es bleibt zu hoffen, dass man einige schon zum ersten Spiel im neuen Jahr (04.02.2012) zumindest auf der Ersatzbank sitzen sieht.

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Ein Auer kommt selten allein

Wenn man in der Kaiserstadt von dem Auer spricht, dann sind nur selten - wenn nicht sogar nie - die rund 578 Kilometer entfernten Bewohner der Großstadt Aue gemeint. Die Stadt im Osten Deutschlands liegt wohl in zu weiter Entfernung, um ihr auch nur geringfügig eine solch enorme Wichtigkeit zuzusprechen, wie sie unser Auer bei der Alemannia hat.
Benjamin Auer wechselte 2008 vom VfL Bochum an den Tivoli, absolvierte seitdem insgesamt 112 Ligaspiele im Alemannentrikot und traf ganze 54 Mal in die Maschen seiner Gegner. Seit Anfang 2010 trägt Aachens wichtigster Torjäger zudem die Binde als Kapitän.

Als Führungsspieler ist der Landauer in Aachen in aller Munde, ist er es schließlich, der nach jedem Spiel vor die Kameras gebeten wird. Er solle doch erklären, wie die Alemannia wieder nur einen Punkt holen konnte, ob es wirklich ein Foul gewesen war und ob der Schiedsrichter das anschließende Tor nicht vielleicht doch hätte aberkennen sollen. Doch darauf hatte er sich wohl oder übel eingelassen, als er dieses Amt damals antritt.
Wenn jetzt aber die Veilchen aus dem Osten zu Gast auf dem Tivoli sind, so ist es selten nur der eine Auer, welchen der Kommentator mit dieser Bezeichnung in den Vordergrund heben will - vorallem nicht dann, wenn das Team aus Aue in dieser Saison ein paar Lorbeeren mehr ernten konnte, als der Torjäger selbst.

Denn auch wenn das Team von Rico Schmitt zur Zeit nur vier Punkte Abstand auf die Schwarz-Gelben hat, so wurden die Kicker aus dem Erzgebirge selten mit dem Abstiegskampf in Verbindung gebracht. Die Auer siegten bereits vier Mal - das ist, im Vergleich zur Alemannia, gut das doppelte an Erfolgen.
Doch die Elf von Trainer Funkel wollte der reinen Statistik wegen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Es galt, endlich aufzuholen - die letzten sechs Punkte aus den verbleibenden zwei Spielen zu holen und dann, am Ende dieses Jahres, vielleicht mit genau so vielen Siegen da zu stehen, wie die Auer jetzt.

Hierfür schickte Trainer Funkel eine ähnliche Elf wie schon in den Wochen zuvor in's Rennen. Demnach durfte Stammkeeper Boy Waterman von Beginn an ran und auch die Viererkette  bestand wie gewohnt aus Timo Achenbach und Kim Falkenberg auf den Außenbahnen, sowie Seyi Olajengbesi und Tobias Feisthammel auf den Innenposten. Aimen Demai spielte auf der "Sechs" direkt hinter Sibum, während Radjabali-Fardi und Yabo über Außen stürmten. Im Angriff fand sich der bereits angesprochene Auer neben Sergiu Radu wieder, der in den letzten Spielen eine enorme Trefferquote erziehlte - vier Mal traf in vier Partien.

Diese Serie sollte fortgeführt werden, ähnlich wie jene der Alemannia, bereits zwei Spieltage in Folge nicht verloren zu haben - und schon zu Anfang sah es nicht danach aus, als würde diese Serie nach diesem Spieltag gebrochen sein.
Die Alemannen begannen stürmisch und mit viel Elan, drängten die Auer eine Zeit lang vollends in die eigene Hälfte. Aimen Demai hatte die erste Gelegenheit auf dem Fuß, sein mikriger Torschuss konnte der geringen Kraft wegen allerdings nur knapp einem jenen zugeordnet werden, um nicht gleich als "Rückpass zum gegnerischen Torhüter" durch gehen zu müssen.
Das danachfolgende Handspiel eines Auers im eigenen Strafraum war dahingegen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus "durchgegangen" - trotz Reklamierung ließ die Unparteiische weiterspielen.

Nicht frustriert von der knappen Entscheidung wollten die Tivoli-Kicker beweisen, dass sie auch ohne Strafstoß zu einem Torerfolg kommen konnten. So war es Benny Auer, der nach einer Hereingabe Falkenbergs zum Kopfball in die Luft ging, das Leder allerdings über den Kasten schlug. 
Eine gute viertel Stunde später waren es dann erneut die Aachener, die im gegnerischen Strafraum reklamierten, nach einem "Foulspiel" an Demai einen Strafstoß forderten. Mit der Entscheidung, auch beim zweiten Mal nicht auf den Punkt zu zeigen, lag Bibiana Steinhaus dieses Mal allerdings vollkommen im Recht.

Vor der Pause hatten die Alemannen noch einmal die Gelegenheit, aus dem lahmen Kick doch noch einen Erfolg zu schlagen, doch Radjabali-Fardi rutschte Zentimeter an der Hereingabe Achenbachs vorbei.
Wenig später war dann auch Schluss - jedenfalls auf dem Rasen. Auf den Rängen dahingegen machte sich Unmut breit: Randale im Block S6 überschatteten das Geschehen auf dem Platz - Fußball wurde wieder einmal zur Nebensache, das eigentliche hatte man aus den Augen verloren;  zu schade, eigentlich.

Die Verantwortlichen klären immer noch, wie es dazu kommen konnte, dass man sich am heimischen Tivoli nicht mehr heimisch fühlen kann, wenn man weiß, dass an jeder Ecke eine Gefahr lauern könnte. Gerade jetzt, wo es die Alemannia finanziell sowie sportlich ganz unten steht, sollte man doch zusammenhalten, das Team unterstützen und dafür sorgen, dass es auch in den nächsten Jahren die Alemannia geben wird, für die wir uns eigentlich alle zwei Wochen auf dem Tivoli versammeln.


Zumindest den Kickern auf dem Rasen ging es in der zweiten Halbzeit dann ausschließlich um den Fußball. Nach einer langweiligen ersten Hälfte erwartete man sich mehr; wollte, statt den Ball ständig nur gegen's Außennetz fliegen zu sehen, endlich selbst einnetzen.
Und niemand geringeres als Torgranat Benny Auer selbst hatte sich wohl dieses Ziel gesetzt, das schon vier Minuten nach dem Wiederanpfiff erreicht schien: Der Torschütze der letzten Spiele - Sergiu Radu - war es, der das Leder, zugesteckt von Achenbach, dieses Mal auf Auer vorlegte. Der zögerte nicht lange und verwandelte aus kurzer Distanz zur 1:0 Führung. 

Motiviert vom zwischenzeitigen Erfolg wollte der Kapitän mehr. Nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer war es erneut Radu, der auf Auer zusteckte; aus der Drehung heraus setzte der Schütze die Kugel Zentimeter neben den Kasten von Keeper Männel.
Die letzte halbe Stunde sollte es David Odonkor auf der linken Seite richten. Doch es war nicht nur der "WM-Star", der für Yabo ins Spiel kam, sondern mit ihm - wie auch in der letzten Woche - auch der unerwünschte Gegentreffer. 
Nach einem Einwurf waren die Tivoli-Kicker noch nicht sortiert, dann ging alles ganz schnell: König auf Kempe, der von links sicher verwandelte und Keeper Boy Waterman keine Chance ließ. 

Der Treffer sorgte bei den Auern, wie einst bei den Schwarz-Gelben, für einen Überschuss an Wille und Motivation. Die Veilchen waren wieder blitzschnell vor dem Keeper des Aachener Schlussmanns aufgetaucht, verwandelten dieses Mal aber nicht so sicher, wie wenige Minuten zuvor - dem eingewechselten Kocer fehlte (Gott sei Dank!) das Glück im Abschluss.
Wechseln wollte dann auch der Aachener Coach noch einmal. Friedhelm Funkel brachte seit langem wieder einmal Stiepermann, für welchen Shervin Radjabali-Fardi auf der Bank Platz nahm. Im Gegensatz zum Odonkor-Wechsel schien dieser allerdings Früchte zu tragen, mit dem ersten Ballkontakt setzte Stiepermann das Leder allerdings einen guten Meter neben den Kasten Männels. 

Die letzte Aktion des Spiels galt dann doch noch David Odonkor: Nachdem Timo Achenbach den Flügelflitzer geschickt hatte, legte dieser perfekt auf Auer ab, dessen Schuss Keeper Männel gerade noch aus der Ecke fischen konnte.
So blieb es beim - unter'm Strich - verdienten 1:1 Remis in der letzten Partie dieses Jahres am Tivoli. Durch den Punktgewinn zogen die Schwarz-Gelben mit dem FSV Franfurt gleich und überholten diesen aufgrund der besseren Tordifferenz.
Ein Spiel vor der Winterpause liegen die Schwarz-Gelben somit auf dem 14. Tabellenplatz und könnten mit einem Dreier am nächsten Sonntag bei Eintracht Braunschweig nicht nur dafür garantieren, auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern; man würde auch Platz nach unten schaffen, sich absetzen und die perfekte Ausgangslage für einen Neuanfang im neuen Jahr schaffen.

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Nochmal Haue für Aue?

 Alemannia hat an kalten Wintertagen "Feuer unter'm Hintern"

 


Sechs mal musste Veilchen Keeper Männel am vergangenen Sonntag hinter sich greifen, das Leder aus dem eigenen Netz fischen und zurück an die Mittellinie katapultieren. Nein, dem Auer Schlussmann hatte man nicht im Training eine Ballmaschine vorgesetzt, die ihn auf der Linie ziemlich schwach aussehen lassen sollte - seine Lila-Weißen trafen zum Hinrundenende auf den VfL Bochum, den Ex-Klub Friedhelm Funkels, der es nach einer Klatsche in Braunschweig wirklich nicht gut mit den Auern meinte.
Dementsprechend optimistisch fiebern die Schwarz-Gelben der Partie am dritten Advent entgegen. "Die Aachener denken jetzt: 6:0 haben die verloren, jetzt verlieren die nächste Woche gegen uns 7:0.", scherzte Benny Auer am vergangenen Montag, als die Aachener Nachrichten zum letzten "Time to Talk" in diesem Jahr riefen. Doch auch der Kapitän wusste, dass es "kein einfaches Spiel wird. Die Auer werden sich schließlich diese Woche zusammengerauft und das Spiel gegen Bochum analysiert haben!".

So sollte die Statistik - 8 Gegentore der Lila-Weißen in zwei Spielen - vielleicht nicht Überhand gewinnen, hatte man sich in der bereits abgeschlossenen Hinrunde schließlich viel zu oft ein Standbein daraus gebaut und war dann wie ein Kartenhaus im Wind zusammengekracht.
Auch wenn rund um den Tivoli der Jahreszeit entsprechend ein raues Lüftchen weht, soll der Alemannia zum Rückrundenauftakt nicht gleich wieder ein großer Sturm bevorstehen. Mit 13 Punkten haben die Schwarz-Gelben die erste Hälfte "gemeistert", konnten in ganzen 17 Begegnungen nur zwei Mal als Sieger vom Platz gehen und durften ganze acht Mal mitanschauen, wie dem Gegner die (vielleicht unverdienten) drei Punkte auf's Konto geschaufelt wurden. Doch damit soll jetzt Schluss sein! Von den möglichen sechs Punkten möchte sich die Alemannia so viele wie möglich sichern, bevor es sich in der Winterpause komplett umzustrukturieren gilt. Im neuen Jahr wollen die Schwarz-Gelben dann nicht nur dem alten, sondern auch den Leistungen, die sie in jenem gezeigt haben, den Rücken kehren. Endlich unten raus kommen, das ist die Devise.


Um schon am morgigen Sonntag einen Grundstein für den Erfolg im neuen Jahr zu setzen, möchte die Alemannia selbstverständlich dafür sorgen, dass es nochmal Haue für Aue gibt. Fehlen werden dem Coach neben den allbekannten Langzeitverletzten nur Mario Erb und Andreas Korte, eine Veränderung der Startelf wird Friedhelm Funkel aller Voraussicht nach ohnehin nicht vorgesehen haben.
Darüberhinaus baut die Alemannia auf den Rückhalt ihrer Fans. Beim Spiel gegen die Löwen (2:2) hatten diese dem Tivoli endlich noch einmal eingeheizt - und in kalten Wintertagen ist dies eben genau das Richtige!

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Keine leichte Beute

Alemannia sichert sich nur einen Punkt gegen die Löwen



Raubtiere bei ihrer Fütterung wären wohl gar nichts gegen die rund 17.000 Schwarz-Gelben Anhänger, die am Sonntag gespannt auf den Anpfiff der drittletzten Zweitligapartie dieses Jahres warteten. Denn zum Hinrundenende wurde es im Tivoli noch einmal richtig laut, als man mit 1860 München einen Gegner empfing, der es wirklich in sich hatte.
Denn erst am vergangenen Wochenende hatten die Löwen dafür gesorgt, dass der Bundesligaabsteiger aus Frankfurt nicht ungeschlagen überwintern kann. Noch im Spiel gegen die Schwarz-Gelben, gut eine Woche zuvor, hatte in der Statistik der Roten eine kleine '0' dort aufgeleuchtet, wo es in der Tabelle um die Niederlagen geht. Doch dies ist nun passé.

Und auch was die sportliche Misere der Schwarz-Gelben angeht war es in der letzten Woche zu einer Wende gekommen. Nach den zahlreichen Misserfolgen siegte die Alemannia am vorletzten Sonntag auswärts beim Karlsruher SC und konnte somit die ersten drei Punkte in der Ferne einfahren.
Friedhelm Funkel hielt es sich demnach vor, seine Elf auch gegen die Löwen in ähnlicher Startformation ins Rennen zu schicken und sie somit auf keiner Position zu verändern. Zwischen den weißen Pfosten sollte demnach Stammkeeper Boy Watermann die 'Null' halten und auch die Viererkette setzte sich wie zuletzt aus Kim Falkenberg, Seyi Olajengbesi, Tobias Feisthammel und Timo Achenbach zusammen. Im 4-4-2-System bildeten Aimen Demai und Bas Sibum die Doppelsechs, während über Außen Shervin Radjabali-Fardi und Ray Yabo stürmten. Nach seinen drei Toren in den letzten drei Spielen durfte auch Sergiu Radu von Beginn an ran, er markierte zusammen mit Sturmpartner Auer die Doppelspitze.

Auch wenn es in den ersten Sekunden und Minuten des Spiels so aus sah, als würden die Hausherren munter in die Partie starten, so wurde man schon geraume Zeit später vom Gegenteil überzeugt. Eine schwache Anfangsphase zeichnete die Partie, in denen zunehmend die Gäste aus Bayern die Oberhand übernahmen.
Schon fünf Minuten nach dem Anpiff hatten diese nämlich die Gelegenheit dazu, in der Kaiserstadt in Führung zu gehen, doch Volland hatte nicht genügend Zielwasser getrunken und setzte das Leder deswegen Zentimeter neben den Kasten von Boy Waterman. 
Nachdem die Münchener Löwen einmal Blut geleckt hatten, ließen sie den Schwarz-Gelben nur selten Raum, den Plan der Münchener, auch in dieser Woche mit drei Punkten nach Hause zu kehren, zu durchkreuzen. Einzig und allein Kapitän Auer bekam die Gelegenheit dazu, sich vor'm gegnerischen Kasten zu beweisen, als er den Ball von der Strafraumgrenze aus auf den Kasten Kiralys schlug. Die Kugel ging allerdings knapp am Tor vorbei.

Von Anfangsschwierigkeiten war im laufe der Partie nichts mehr zu sehen: Die Schwarz-Gelben standen mit den Sechzigern schon nach geraumer Zeit auf gleicher Linie und suchten nun das Duell auf Augenhöhe. Im Minutentakt ließen beide Mannschaften Chancen vor dem gegnerischen Kasten liegen, wie zum Beispiel Buck, dessen Kopfball nach einem Freistoß den Weg zum Tor leicht verfehlt; oder Benny Auer, der nach einer Flanke Achenbachs den Ball nur gegen den Pfosten schlug. Letzteren Versuch hatten die Besucher des Südwalls schon fast drin gesehen, doch das Leder prallte an der Innenseite des Pfosten ab und kam somit nicht über die weiße Linie, die dafür gesorgt hätte, dass die Alemannia verdient in Führung ging.
Sergiu Radu hatte nur wenige Minuten später das 1:0 erneut auf dem Fuß, zögerte vor dem Kasten der Blau-Weißen allerdings zu lange, weswegen sein Schuss noch gerade so abgewehrt werden konnte.

Gerade als die Alemannia endlich die Zügel in die Hand genommen hatte, leuchtete auf der Videowand das 1:0 Zwischenergebnis für die Münchener Löwen auf. Bierofka zirkelte einen Freistoß genau auf den Kopf von Buck, der im zweiten Versuch Keeper Boy Waterman keine Chance ließ.
Doch gerade, als sich die Anhänger auf den Rängen damit abfinden wollten, dass man trotz Überlegenheit mit einem 0:1 Rückstand in die Halbzeitpause ging, ließen die Kicker auf dem Rasen ihre Fans noch einmal jubeln. Falkenberg hatte eine Flanke in den Strafraum geschlagen, Sergiu Radu kam unbedrängt an den Ball und verwandelte mit einem wunderschönen Fallrückzieher zum 1:1 Pausenstand. Der Rumäne schoss hierbei sein viertes Tor im vierten Spiel hintereinander, hatte die prompte Antwort auf die Führung der Löwen gegeben und sich mit seinem Treffer mindestens das Tor des Monats - wenn nicht sogar das Tor des Jahres - verdient.


Nach der Pause machte die Alemannia unverändert gleich da weiter, wo sie aufgehört hatte. Obwohl es nicht lange dauerte, bis mit Uludag für Demai ein neuer Mann kam, suchten sie weiter den Weg nach vorne. Begleitet von der umwerfenden Stimmung auf den Rängen konnte man den Kickern ansehen, dass sie nach neunzig Minuten nicht mit leeren Händen auf die Heimfans zu gehen wollten. 
Doch die Torchancen hatten rapide abgenommen. Das Spiel fand zunehmend rund um den Mittelkreis statt, kam das Leder einmal bis in den Strafraum, so konnten beide Keeper dieses leicht zu ihrer Beute machen.
Abwehrmann Kim Falkenberg hatte zwischenzeitig zwar noch einmal die große Möglichkeit, das Spiel zu Gunsten der Alemannia zu drehen, scheiterte jedoch an Keeper Kiraly. Obwohl der 35-Jährige das Leder nicht fassen konnte, schlug Auer die abgeblockte Kugel nur neben das Tor.

Um dem Spiel seiner Truppe in den Schlussminuten noch einmal Tempo zu verpassen, brachte Funkel Odonkor für Fardi, der erneut ein sehr starkes Spiel gemacht hatte. Doch die Einwechslung des schwächelnden WM-Stars brachte nun gar nicht den Erfolg, den sich der Coach damit erhofft hatte. Denn schon Sekunden später hatte einer der beiden Keeper die Kugel aus dem Netz zu fischen - und das war, wider Erwarten, erneut Boy Waterman.
Doch wie schon beim ersten Gegentreffer dauerte es nicht lange, bis die Alemannia mit einer Antwort kam. Der eingewechselte Uludag legte den Ball quer und Bas Sibum machte sich ganz lang, rutschte quasi mit dem Ball ins gegnerische Tor.

Der Jubel war groß am Tivoli. Die heiße Schlussphase hatte begonnen und es war wieder alles offen. Die Hausherren wollten unbedingt noch einen drauflegen, um nach neunzig Minuten mit drei Punkten gefeiert zu werden, spielten und kämpften bis zum Anschlag. Nach seinem Tor fasste sich Bas Sibum aus rund 25 Metern noch mal ein Herz, der Ball fand den Weg zum Tor allerdings nicht. Nur noch aus der Distanz kamen die Schwarz-Gelben zum Torabschluss, weil sich die Löwen nun vollends hinten rein gestellt hatten. Auch wenn Schiedsrichter Willenborg noch einmal drei Minuten drauflegte, blieb es am Ende beim verdienten Unentschieden, auch wenn die Alemannia vielleicht immer um eine Haaresbreite voran gewesen war.

Die Schwarz-Gelben beenden die Hinrunde somit auf einem Nichtabstiegsplatz. Mit einem Punkt Vorsprung auf den Karlsruher SC müssen die Tivoli-Kicker gegen Aue und in Braunschweig aber noch einen drauflegen, um auch nach 19 Spieltagen den 15. Rang noch zu zieren und während der Pause auf diesem zu überwintern.

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Des Löwen' Zahn

Alemannia will endlich "Gras über die Sache wachsen lassen"



Dass die Alemannen ausgerechnet im Wildparkstadion den ersten Auswärtssieg der Saison einfahren konnten, mag für den ein oder anderen schon eine Garantie dafür sein, am Ende auch gegen die Münchener Löwen nicht mit leeren Händen da zu stehen.
Doch die Münchener reisen schon mit gewetzten Zähnen in die Kaiserstadt. Neben dem achtem Tabellenplatz stehen zwei Siege in Folge, über Ingolstadt und Frankfurt, über Tabellenschlusslicht und Aufstiegsaspirant.

In die Partie gegen die Tivoli-Kicker war der Bundesligaabsteiger vor gut zwei Wochen noch ungeschlagen gegangen, woran sich auch nach neunzig Minuten nichts geändert hatte. 
Der Auftritt der Münchener gestaltete sich dahingegen um einiges effektiver, leuchtete auf der Videowand in der Alianz-Arena nach neunzig Minuten schließlich ein deutliches '2:1' für die Heimmannschaft auf.
Die Münchener Löwen scheinen also Blut geleckt zu haben und erwarten nun auch beim Abstiegsgefährdeten eine Fortsetzung ihrer Serie.

Doch auch wenn Löwenzahn auf dem frostigen Boden zur Zeit zumindest bei uns nicht wachsen kann, hat sich die Alemannia für's drittletzte Spiel dieser Saison vorgenommen, den Löwen die letzten Zähnchen zu rauben. Denn zum ersten Mal in dieser Saison starten die Schwarz-Gelben mit drei Punkten im Rücken in ein Spiel vor heimischer Kulisse.
Beim Karlsruher SC war es der Elf von Trainer Funkel gelungen, zum Ende der Partie jubelnd in Richtung Gästekurve zu gehen. Der zweite Sieg hatte allerdings nicht nur dazu verholfen, die eigene Ecke endlich einmal feiernd zu erleben: Durch den Sieg beim Tabellennachbarn hatte man diesen überholt und stand somit erstmals seit Beginn der Spielzeit auf einem Nichtabstiegsplatz.
Genug Gründe, die Woche einmal mehr feiernd als tadelnd zu verbringen. Doch am Sonntag musste man "noch einen drauflegen", um auf dem Platz zu überwintern, der eine Aussicht nach oben mit sich bringt.

Nicht nur sportlich gesehen ist es dringend notwendig, die unteren Regionen endgültig zu verlassen. Die Finanzen sitzen den Verantwortlichen im Nacken, drängt die DFL schließlich darauf, einen Plan für das kommende Jahr vorzulegen.
Zumindest wenn es darum geht, wer auch im nächsten Jahr noch für die Alemannia kicken darf, scheinen konkrete Pläne bereits dingfest gemacht zu sein. Vier Profis sollen den Klub laut Presse noch in der Winterpause verlassen - Fehleinkäufe würden sich dann zwar nicht mehr im Kader tummeln, doch rückgängig gemacht hätte man sie auch damit nicht. Und das ginge wohl auch nicht.
Doch bis dass sich die Elf auf dem Platz über Umstrukturierungen größere Gedanken zu machen hat, muss sie mit dem auskommen, was sie hat. Das gilt auch für Trainer Funkel, der nach der Partie gegen den Karlsruher SC keine größeren Veränderungen in Erwägung zieht.

Allein Kevin Kratz könnte nach seiner Kapselverletzung wieder zurück in den Kader kehren. Der 24-Jährige hatte sich bereits nach seiner Leisten-OP wieder in den Kader gespielt, saß einst bei Eintracht Frankfurt noch auf der Bank, ehe er sich im Training erneut verletzte. Seit Freitag ist der Eschweiler wieder voll im Training dabei und könnte gegen 1860 zumindest erneut auf der Bank Platz nehmen.
Für Anouar Hadouir ist die Hinrunde allerdings gelaufen, wie die Alemannia in dieser Woche verkündete. Aufgrund anhaltender Probleme mit dem rechten Knie hat sich der Marokkaner aller Wahrscheinlichkeit nach unter's Messer zu legen. Der "Top-Einkauf" von Roda Kerkrade kam bei Alemannia bislang nur auf wenige Einsätze, in denen er aufgrund seiner Schmerzen nie 100% geben konnte.

Mehr noch soll die Alemannia allerdings am Sonntag geben, um aus dem letzten Sieg eine kleine Serie zu formen. Die Schlussphase der Liga könnte der Alemannia wichtige Punkte sichern, gelang den Schwarz-Gelben ein Aufbäumen in einer Partie schließlich auch stets gegen Ende.
Am Tivoli soll morgen allerdings über neunzig Minuten Löwenzahn geerntet werden; es bleibt zu hoffen, dass danach (in naher Zukunft) endlich Gras über die Sache "Abstieg" wächst.

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Kein "Schiffe versenken" in Karlsruhe

Alemannia holt die wichtigsten Punkte der Hinrunde!




6 neue Flicken hätte sich die Alemannia am Samstag verdienen können, um die Segel ihres Schiffes zu flicken und auf offenem Meer nicht mit der nächsten Welle unterzugehen. Auch wenn die Punkteregelung für die Deutsche Fußballliga lediglich drei Punkte pro Spieltag vorsieht (und sich dabei auch nicht zu Ausnahmen überreden lässt), sprach man in der vergangenen Woche des Öfteren von einem sogenannten "sechs Punkte Spiel". Der Karlsruher SC nämlich, welcher der Alemannia schon aus der ersten Runde des diesjährigen DFB-Pokals bekannt war, markierte vor der Partie den unmittelbaren Tabellennachbarn der Schwarz-Gelben, und konnte demnach, mit einem Sieg letzterer, nicht nur die Aussicht nach oben verlieren, sondern wäre auf dem Tabellenplatz selbst noch weiter nach unten gerutscht. Der Turn- und Sportverein aus Aachen allerdings konnte sich mit einem Dreier erstmals seit Saisonbeginn von den gefährlichen Abstiegsrängen entfernen und sich Punktgleich mit dem KSC auf dem sechszehnten Tabellenplatz absetzen.
Doch um den rund 500 mitgereisten Alemannen diesen Traum "Wunsch" zu erfüllen, musste die Elf auf dem Rasen im Wildparkstadion erstmal beweisen, dass man diesen Sprung, diese Befreiung, überhaupt verdient hatte - dass man bereit war für einen Wandel, dass man jetzt endlich da unten raus kommen wollte.

Nach der phänomenalen Schlussphase am vergangenen Wochenende, als man einen Sieg über die Eintracht aus Frankfurt in den letzten Minuten des Spiels "aus der Hand gab" (4:3 nach 2:0 Rückstand), beließ es Trainer Funkel mit einer Ausnahme bei der Abschluss-Elf. Sergiu Radu und Shervin Radjabali-Fardi bekamen in der letzten Begegnung ab der 45. Spielminute das Vertrauen des Trainers - und enttäuschten diesen keines Falls. Während Sergiu Radu selbst an einem Anschlusstreffer (zum 3:2 Zwischenstand) beteiligt war, zeichnete sich Fardi dadurch aus, dass er das gesamte Aachener Offensivspiel ankurbelte. Der Coach musste nicht drei Mal überlegen und ließ beide am Samstagvormittag schon von Beginn an ran.
Während "Routinier" Radu sich neben Kapitän Auer anzuordnen hatte, rutschte Fardi für Manuel Junglas auf die linke Seite des Mittelfelds; Ray Yabo kam über Rechtsaußen. Im alten 4-4-2-System bildeten Bas Sibum und Aimen Demai die Doppelsechs; die Viererkette bestand wie gewohnt aus Kim Falkenberg, Tobias Feisthammel, Seyi Olajengbesi und Timo Achenbach. Trotz der Patzer im Spiel gegen die Eintracht durfte Stammkeeper Boy Waterman den Kasten hüten. Seinen Ersatz markierte Tim Krumpen, da David Hohs weiterhin mit einem Anriss des Syndesmosebands fehlt.


In den ersten Minuten der Partie gab die Alemannia ein ähnlich schwaches Bild wie zuvor ab, wie in über 80 Minuten gegen Eintracht Frankfurt. Als Anhänger der Schwarz-Gelben auf der Tribüne oder vor dem Fernseher malte man sich schon die nächste Niederlage in Folge aus, als sich die Jungs auf dem Platz plötzlich fingen und sicherer nach vorne spielten. Einem jeden hing in den Köpfen, was nur wäre, wenn man wieder mit leeren Händen in die Heimat zurückkehrte; wenn man durch die ständigen Niederlagen irgendwann so weit vom rettenden Ufer abgeschlagen wäre, dass jede Hilfe zu spät käme.
Jeder noch so winzige Schuss mit Aussicht auf Erfolg sorgte für pure Gänsehaut, dafür, dass die Herzen schneller schlugen und auszusetzen drohten, wenn nicht endlich einer von ihnen den Weg in den gegnerischen Kasten fand.
Doch die Alemannia ließ es wie bekannt langsam angehen. Die Elf von Trainer Friedhelm Funkel ließ sich zunehmend von den Hausherren in die eigene Hälfte drängen, was den Blau-Weißen eine gewisse Überhand vor allem in den Anfangsminuten sicherte. 

Die "Null" sicherte der Alemannia in der jungen Spielzeit dahingegen nicht selten Boy Waterman. Der kritisierte Keeper wusste seine Fehler vom letzten Spieltag auszubügeln und ließ so eine Unsicherheit nicht spürbar werden.
Doch der KSC machte Druck, suchte immer wieder den Weg zum Tor - wenn es nicht aus dem Spiel heraus zu Großchancen führte, dann hämmerte Iashvili mal eben so einen fulminanten Freistoß auf den Kasten des Stammkeepers, wenn er nicht gerade dabei war, die Abwehrreihe der Alemannia ziemlich alt aussehen zu lassen, indem er unbedrängt in den Strafraum flankte, wo ein Abnehmer aus den eigenen Reihen schon wartete.

Nicht lange sahen sich die Alemannen dieses Spiel mit an, nahmen dann nämlich, mit zunehmender Spieldauer, die Führung selbst in die Hand - im wahrsten Sinne des Wortes: Nach einem schön rausgespielten Angriff über die rechte Seite flankte Kim Falkenberg das Leder perfekt in den Sechszehner. Auch wenn Kapitän Auer überfordert zu einem Abschluss nicht im Stande war, musste der Torerfolg nicht lange auf sich warten. Sergiu Radu markierte den Abstauber, indem er aus rund elf Metern in den Kasten von Keeper Robles traf. 
Der Führungstreffer bestärkte die Gäste nicht nur im weiteren Spielgeschehen, sondern auch auf dem Weg in Richtung Kabine, auf welchen sie sich fast unmittelbar nach dem Erfolg aufmachten.


Unverändert schickten beide Trainer ihre Teams zurück auf den Rasen, denn was hätte Friedhelm Funkel auch für eine Absicht gehabt? Seine Alemannia lag, vielleicht etwas glücklich, mit 1:0 in Führung und hatte sich zumindest kurzzeitig in der Tabelle von den Abstiegsrängen entfernt - und das, was seine Elf nach der Halbzeit auf die Beine stellte, sah ebenfalls nicht danach aus, als habe man an den Personalien irgendeine Kleinigkeit zu ändern.
Schon wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff kamen die Gäste nämlich prompt zur nächsten Großchance. Shervin Radjabali-Fardi hatte sich durchgesetzt und perfekt in den Strafraum geflankt, doch Kapitän Auer konnte das Geschenk des Linkaußen nicht verwenden. Ebenso wie Ray Yabo, der nur Minuten später ebenfalls auf des Gegners Seite scheiterte, fehlte ihm das Glück im Abschluss.

Die Alemannen schienen die Hausherren in der zweiten Hälfte komplett im Griff zu haben, näherten sich diese wenn überhaupt nur noch ganz langsam dem Kasten Boy Watermans. Der KSC versuchte sich mit unplatzierten Weitschüssen zu retten, was den Blau-Weißen allerdings nicht den gewünschten Erfolg bescherte. Jörn Andersen reagierte und brachte Fink für Haas (aufgrund einer Verletzung auch Stadler für Kempe), welcher im Karlsruher Offensivspiel noch einmal Gefahr ausüben sollte. 
Und auch die letzten zwölf Minuten sollte jenes der Schwarz-Gelben noch einmal bestärkt werden, indem Trainer Funkel David Odonkor für Reinhold Yabo brachte. Im Gegensatz zum Wechsel der Blau-Weißen schien dieser allerdings gleich Früchte zu tragen, denn mit seinem ersten Ballkontakt hatte der "WM-Star" das 2:0 direkt auf dem Fuß liegen. Keeper Robles war im Kasten der Karlsruher allerdings zur Stelle.


Die Schlussphase drohte neuerlich spannend zu werden, konnte Waterman im 1 gegen 1 Duell mit Fink gerade noch parieren. Gleich darauf schickte Fardi Demai auf die Reise, dessen Pass Kapitän Auer allerdings nicht erreichte.
Und wenn man dachte, dass der Wechsel Uludags für Fardi der Spannung in den Schlussminuten einen Strich durch die Rechnung machen würde, der hatte sich gewaltig getäuscht! Denn der Türke schickte nur Sekunden nach seiner Einwechslung Odonkor auf die Reise, der Auer das Leder klasse auf's Knie legte. Der Kapitän musste nur hinhalten.


Wenige Minuten später ertönte der erlösende Pfiff im Wildparkstadion. Die Alemannia sicherte sich ihren ersten Dreier in der Ferne und schafft damit erstmals den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz. Punktgleich mit dem KSC befindet sie sich jetzt, der besseren Tordifferenz wegen, auf dem 15. Tabellenplatz. Schon am Sonntag empfängt man mit 1860 München einen Gegner vor heimischen Publikum, dem am Wochenende die Sensation gelang, die sich die Aachener schon in der letzten Woche erwünscht hatten: Eintracht Frankfurt schlagen.
Doch nach der Niederlage der Schwarz-Gelben beim Tabellenzweiten schenkt man diesem rund anderthalb Wochen später keine wirkliche Beachtung mehr. Denn von nun an liegt die vollste Konzentration in der Vorbereitung auf den neuen Gegner, gegen welchen man im drittletzten Spiel vor der Winterpause den dritten Saisonsieg einfahren möchte.

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Noch immer kein Land in Sicht

Alemannia will "volle Fahrt voraus"




Wie ein Schiff ohne Segel schippert die Alemannia zur Zeit über's offene Meer. An Bord nicht nur ein Team, bestehend aus 11-Mann, nein; ein ganzer Verein, der droht, unterzugehen, ist nicht bald endlich wieder "Land in Sicht".
Unter der Woche wurde das "Boot Alemannia" erneut gekapert, nahm den Insassen erneut jegliche Hoffnungen darauf, in absehbarer Zeit auf bessere Zeiten zu stoßen.

Nicht nur sportlich laufen die Schwarz-Gelben momentan nämlich völlig neben der Spur. Dadurch, dass man vor der Saison niemals mit einem solchen "Absturz" gerechnet hatte, hatte man sich auch in Sachen Finanzen vollkommen falsch kalkuliert. Das Fazit: Der Alemannia fehlt es an Geld - und zwar an allen Ecken!
Um fast eine Millionen Euro hat sich der Verein verschätzt, jetzt greift die Deutsche Fußball Liga zu und fordert bis Anfang des nächsten Jahres eine Lösung dieser Probleme, ansonsten droht der Punktabzug.
Doch soweit will man es am Tivoli gar nicht erst kommen lassen! Eine Lösung sei bereits "erarbeitet", so die Alemannia - doch hatte man nicht ebenfalls, über die gesamte Länderspielpause hinweg, "erarbeitet", in Frankfurt keine Niederlage einzufahren?

Dem Schiff Alemannia fehlt es also an neuen Segeln; Männern, die auf dem Oberdeck den Ton angeben, um erst einmal sportlich Fuß zu fassen. Eine neue Chance, letzteres in die Wege zu leiten, bekommt die Alemannia am Samstag, wenn sie beim Karlsruher SC gastiert.


In der laufenden Saison waren die Schwarz-Gelben bereits Gast im Wildparkstadion gewesen, wurden nach 90 Minuten dann allerdings nicht nur mit einer 1:3 Pleite wieder nach Hause geschickt sondern auch vorzeitig aus der ersten Runde des DFB-Pokals gekickt. Sechszehn Spieltage weiter steckt der KSC in einer ähnlichen Situation wie die Alemannia, steht ihr, mit gerade einmal 3 Punkten mehr auf dem Konto, also auf direkter Augenhöhe.
Die Partie ist demnach ein "6-Punkte-Spiel", mit einem Sieg über den Tabellenfünfzehnten könnten die Tivoli-Kicker erstmals in dieser Saison einen Nicht-Abstiegsplatz erreichen. Ein Anfang wäre getan, dem zu sinken drohenden Schiff würden neue Segel verliehen werden, mit denen dann möglicherweise Aussicht auf eine bessere Zeit bestände; mit denen man dann ins Glück steuern könnte - "Volle Fahrt voraus!"

Um dieses Vorhaben auch wirklich in die Tat umzusetzen fehlt Steuermann Friedhelm Funkel am Samstag neben allen bekannten Langzeitverletzten auch Kevin Kratz. Nachdem der junge Eschweiler nach seiner zweiten Leisten-OP wieder zum Team zurück gekehrt war, hatte er sich im Training eine Kapsel- und Bänderzerrung im Sprunggelenk zugezogen, womit ein Einsatz beim Karlsruher SC für ihn nicht in Frage kommt. In den nächsten Tagen allerdings soll der 24-Jährige wieder ins Training zurück kehren.
Shervin Radjabali-Fardi dahingegen könnte auch bei den Blau-Weißen erneut auf dem Rasen stehen, hatte die Berlin-Leihgabe gegen den Bundesligaabsteiger schließlich ein gutes Bild von sich gegeben. Und auch Sergiu Radu hatte sich dem Trainer nicht nur mit seinem Tor zum 3:2 für die Startelf angeboten, habe er schließlich, wie Fardi, nach seiner Einwechslung dafür gesorgt, dass die Alemannia "besser ins Spiel kam, ballsicherer war und schneller nach vorne gespielt hat".

Sollte die Alemannia am Wochenende keinen Erfolg erlangen können, würde der Abstand nach oben immer größer werden. Dann gingen die Lichter langsam aus, dann stände das Schiff Alemannia einem Untergang noch viel näher, als zuvor. 
Denn wenn man nicht mal gegen einen Gegner gewinnt, mit dem man auf gleicher Augenhöhe (nämlich mit da ganz unten) steht, ja, gegen wenn denn dann?


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Hoffnung ist kein Kochrezept


Unter einem "angenehmen Fußballsonntag" versteht ein Großteil der Schwarz-Gelben Anhänger wohl eher, zu Hause vor Kamin und Fernseher zu sitzen, anstatt sich schon am frühen Morgen, in klirrender Kälte, in Richtung Spielstätte zu begeben; schon gar nicht dann, wenn diese rund 260 Kilometer von der Heimat entfernt liegt.
Trotz alledem waren auf der Autobahn in Richtung Frankfurt am Main unzählige Aachener unterwegs, unschlüssig, vielleicht, ob sich das Ganze auch wirklich lohnen würde. Traf ihre Alemannia schließlich auf den Tabellenzweiten, den ungeschlagenen Bundesligaabsteiger, der einzig und allein das Ziel verfolgte, schnellstmöglich dahin zu gelangen, wo er hergekommen war. Vom Tabellenvorletzten wollte man sich dabei nicht in die Suppe spucken lassen.

Auch ohne Kochrezepte war sich Chefcoach Funkel sicher, den Frankfurtern ihre Suppe mächtig versalzen zu können. Hierfür vertraute der alteingesessene Fußballlehrer diesmal auf diejenigen, die in den letzten Wochen eher selten in Erscheinung getreten waren. So orderte er beispielsweise Shervin Radjabali-Fardi und Kevin Kratz (nach Leisten OP) zurück in den Kader, neben welchen auf der Ersatzbank Namen wie David Odonkor, Sergiu Radu und Marco Stiepermann Platz nahmen. 
Nicht nur die personellen Änderungen des Trainers wurden schnell sichtbar, ließ man seinen Blick einmal über die Startformation schweifen. Im neuen 3-5-2 System agierte man mit einer Dreier-Abwehrkette, die ebenfalls einen Namen enthielt, der schon länger nicht mehr in aller Munde gewesen war: Thomas Stehle. "Die Axt" sollte neben Seyi Olajengbesi und Tobias Feisthammel für eine gefestigte Defensive sorgen. 
Im defensiven Part des Mittelfelds kamen Kim Falkenberg und Timo Achenbach über Außen, während Aimen Demai die typische Sechser-Position markierte. Im offensiven Part durften Ray Yabo und Bas Sibum von Beginn an ran; Manuel Junglas bekam den Vorzug gegenüber Sergiu Radu, womit Auer in diesem seinen neuen Sturmpartner fand.


Mit einem Sieg über die Tivoli-Kicker konnte sich die Eintracht vorübergehend den Platz des Spitzenreiters sichern, womit die Motivation der Hausherren umso mehr anstieg. Aus diesem Grund war es nahezu absehbar gewesen, dass sie die Aachener mit ihrem sichern Auftreten in den ersten Minuten gänzlich beeindrucken würden. Dass dieses allerdings gleich zu einer Stockstarre der Gäste führte, in welcher diese nicht einmal einen geraden Pass über fünf Meter zu Stande brachten, hätten selbst diese nicht für möglich gehalten.
So war es kein Wunder, dass man sich als Gästefan in der Commerzbank-Arena auf etwas gefasst machen musste. 

In den frühen Anfangsminuten hatte man noch einmal durchatmen können, als der Ball das erste Mal Berührung mit dem Aachener Tornetz machte. Zwar hatten es die Hessen geschafft, das Leder über die Linie zu drücken, allerdings hatte ihnen Schiedsrichter Osmers einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Treffer nicht gelten lassen.
Doch es war zunächst das letzte, tiefe Durchatmen, welches sich durch die Gästekurve zog. Schon wenige Minuten später hatten es die Kicker der Eintracht besser gemacht und neuerlich den Ball im Kasten der Schwarz-Gelben versenken können. Keeper Waterman hatte sich die Kugel mit links vorgelegt, um mit rechts abzustoßen, war dabei neben den Ball getreten und hatte Torschütze Idrissou somit ein leichtes Spiel gemacht; der Frankfurter musste nur noch einschieben - Waterman blieb geschlagen am Boden zurück.
Es blieb bei weitem nicht der einzige, bittere Rückschlag an diesem Tag, denn schon der nächste stand unmittelbar in den Startlöchern: Erneut war es Idrissou, der über Rechts kam und dort seelenruhig in den Strafraum flanken konnte. Über die Hereingabe des Torschützen rutschte Demai, Köhler ließ Keeper Waterman mit einem relativ unplatzierten Schuss aus 11 Metern neuerlich ziemlich alt aussehen.

Nur zwölf Minuten waren nötig gewesen, um die ersten zu den Worten "Lasst uns geh'n, bringt doch eh' nichts mehr!" zu bewegen. Die Alemannen enttäuschten auf ganzer Linie, lieferten ein Spiel ab, das sich nicht mal mehr auf Zweitliganiveau bewegte.
Kein gerader Pass fand seinen Abnehmer, setzte man sich einmal in einem Zweikampf durch, so landete das Leder schon im nächsten wieder beim Gegner. Die Alemannia machte nicht den Anschein, als wolle man den Gegentreffern in irgendeiner Weise trotzen. Hinten offen wie ein Scheunentor fand die Alemannia vorne nicht den Zug zum Tor.
Das Resultat, die Eintracht spielte befreit auf, hatte man beim Abstiegsaspiranten scheinbar nichts mehr zu verlieren, wo man doch schon so früh mit 2:0 in Führung lag.

Abgesehen von der Tatsache, dass Trainer Funkel in der Halbzeitpause zwei neue Kräfte von der Bank brachte, regte sich nichts im Aachener Spielablauf. Sergiu Radu sollte die zweiten 45 Minuten die Aachener Offensive bewegen, Shervin Radjabali-Fardi sollte noch einmal beweisen, warum er (zurecht) unter Hyballa Stammspieler gewesen war. Für die beiden neuen Kräfte durften Thomas Stehle und Bas Sibum in Hälfte Zwei die Bank wärmen.
Erst 12 Minuten vor Abpfiff der Partie erlebten die Schwarz-Gelben Anhänger ein Aufbäumen. Feisthammel war aufgerückt und schlug den Ball in den Sechszehner, wo Auer das Leder mit einem feinen Hackentrick ins rechte untere Eck beförderte. Doch die Freude der Aachener sollte nicht von langer Dauer sein, beförderten die Hessen die Kugel schon im direkten Gegenzug auf anderer Seite in den Kasten. Durch einen Schuss aus der Distanz hatte Hoffer den alten Abstand wieder hergestellt, doch die Alemannen waren bissig hinterher, wollten in den Schlussminuten unbedingt noch einmal anknüpfen.
Acht Minuten vor Schluss schlug Achenbach das Leder noch einmal in den Strafraum, wo Radu unbedrängt zum Kopfball hochging und stark verwandelte.

Nur noch einen Treffer vom Ausgleich entfernt war die Freude auf den Rängen nicht mehr in Worte zu fassen. Wo man aufgehört hatte, Stimmung zu machen, wurde jetzt wieder auf die Trommeln geschlagen und fordernde Gesänge los gelassen. "Schießt ein Tor für uns!", hallte es von der Tribüne. Das ließen sich die Schwarz-Gelben Jungs auf dem Rasen nicht zwei Mal sagen, als Demai aus gut 25 Metern einen Freistoß an's Lattenkreuz zimmerte, von wo aus der Ball an Nikolov abprallte und hinter die Linie sprang.
Was in Sachen Emotionen auf den Rängen abging war nicht in Worte zu fassen und wahrscheinlich auch nicht mit denen zu vergleichen, die man nun vor dem Fernseher empfand. Man hatte das Spiel komplett auf den Kopf gestellt, hatte die Menge doch noch jubeln lassen. Noch gut zwei Minuten waren zu spielen und man ersehnte sich schon den endgültigen Pfiff des Schiedsrichters herbei, als dieser den Frankfurtern den letzten Freistoß in der gegnerischen Hälfte zusprach.
Schwegler schickte die Kugel auf die Reise, Matmour kam im Strafraum vor jeglichem Gegenspieler zum Ball, während Keeper Waterman dem Gegenspieler mit leeren Händen entgegen lief - und ihn nicht fasste.


In Frankfurt ließen die Schwarz-Gelben ebenso drei Punkte wie jegliche Hoffnung, schnellstmöglich aus dem Tabellenkeller zu entkommen, zurück. Getreu dem Motto "Die Hoffnung stirbt zuletzt" hatte man ein Spiel erst dann wirklich verloren, als es danach aussah, als würde der kleinen Sensation nichts und niemand mehr im Wege stehen. Als die Menge tobte, kein Halten mehr fand, und schlussendlich niedergeschlagen zu Boden ging.
Wo einst enthusiastische Schlachtrufe erklangen blieb beim Abpfiff nicht mehr als beängstigende Stille. Ein jeder ließ die Köpfe hängen, hatte die Sprache verloren, als der Abgrund vom Paradies nur einen Schritt entfernt war. Wohin man blickte starrte man in enttäuschte Gesichter mit leeren Blicken, ein jeder verzweifelt, gezeichnet vom Abstiegskampf, der die Alemannia mitten in der Saison nun komplett in seinen Bann gezogen hat. Und aus dem so schnell kein Ausweg mehr in Sicht ist.


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Ein kleines bisschen Sensation, bitte.


Eine Länderspielpause bedeutet für das Team von Friedhelm Funkel stets, dass es mehr Zeit zur Vorbereitung auf den nächsten Gegner gibt. Angesichts der Tatsache, dass die Alemannia am Sonntag bei Eintracht Frankfurt, dem ungeschlagenen Tabellenzweiten mit 9 Siegen aus 14 Partien, zu Gast ist, bringt die Frage auf, ob da eine trainingsintensivere Woche mehr wirklich genug war.
Wie immer nach einem spielfreien Wochenende erwarten die Alemannen gespannt die nächste Begegnung, bei der es wegen des Tabellenplatzes immer gegen den Abstieg geht.

Die Winterpause liegt nicht mehr in allzu weiter Ferne, die Alemannia verweilt seit dem ersten Spieltag durchgehend auf einem Abstiegsplatz. Nach dem Remis gegen die Duisburger Zebras hat es die Alemannia immerhin geschafft, das rote Tuch und den letzten Tabellenplatz an den FC Ingolstadt abzugeben, Aussicht auf bessere Zeiten gibt der Platzwechsel allerdings nicht. So ziert der siebzehnte Tabellenplatz auch weiterhin den Namen Alemannia Aachen - und das wird es auch weiterhin, wenn in Frankfurt am Sonntag kein kleines Wunder geschieht.
Doch die Alemannia hatte schon mehrfach gezeigt, dass ihnen dies vor allem gegen die Eintracht besonders gut gelang, erinnert man sich schließlich gerne an die letzten Partien gegen die Hessen. Nicht nur für viele Tore sorgten die Begegnungen stets (24 Stück in den letzten drei Spielen!), nach dem letzten Kick gegen die Frankfurter Eintracht konnte die Alemannia auch endlich wieder einen Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals vermelden, traf dann in der nächsten Pokal-Partie als "Herbstmeisterbesieger-Besieger" auf den Rekordmeister FC Bayern München.
Doch die Zeiten, in denen bei der Alemannia noch alles im Ruder lief, sind lange Geschichte. Als die Tivoli-Kicker das letzte Mal in Frankfurt auf die Heimmannschaft trafen, leuchtete auf der Videowand ein ähnliches Ergebnis auf, wie es das in der letzten Pokal-Partie gegeben hatte. Dieses Mal jedoch hatten die Frankfurter die Nase vorn - und trotzdem waren die Schwarz-Gelben einer Sensation nah gewesen. Bis zur 65. Spielminute hatten die Gastgeber mit 5:1 in Führung gelegen, womit man sie schon 25 Minuten vor Ende als klaren Sieger abstempelte. Doch dann geschah das, was heute bei der Alemannia noch schwerer vorstellbar ist, als es vor zwei Jahren war: Auer hatte mit seinem Doppelpack innerhalb von sieben Minuten noch einmal Mut gemacht, dann hatte Gueye in den Schlussminuten zum 5:4 verkürzt. Es waren dramatische Schlussminuten, bis der Frankfurter Selim Teber eine Minute vor Schluss auf 6:4 erhöhte. 

Eher unwahrscheinlich ist es, solche Ergebnisse auch am Sonntag vermelden zu können, kommt die Alemannia bislang schließlich insgesamt nur auf magere acht Zähler.
So wäre das Ergebnis, was man im drittletzten (der letzten Ligapartie) Spiel gegen die Eintracht erfuhr, als man noch erstklassig spielte, wohl realistischer. Mit einer 4:0 Klatsche hatte man die Aachener wieder in ihre Heimat geschickt, es waren schwere 3 Punkte, die nachher fehlten - wenige Spieltage später war der Abstieg dann vollkommen besiegelt.
Auch in diesem Jahr trifft die Alemannia spät in der Saison auf die Eintracht, ungern denkt man jetzt schon an die Rückpartie, in der ähnliches wie im Abstiegsjahr 2007 passieren könnte, wenn die Alemannia nicht endlich einen Weg aus dem finsteren Tabellenkeller findet, in dem allmählich die letzten Lichter ausgehen.
Aus 14 Partien holte die Alemannia im Gegensatz zur Eintracht nur einen Sieg, hat in Kombination mit den sechs Remis grade einmal 9 Punkte auf dem Konto. Für einen Klassenerhalt wäre dies eindeutig zu wenig.

An was es der Alemannia fehlt ist im Prinzip an einer Hand abzulesen. Punkte, Tore - die, die sie machen; die, die sie vorbereiten, und Geld,- im Grunde wäre es das.
Doch so einfach wie man diese fünf Begriffe in den Raum werfen kann ist die Lösung dieses großen Problems nicht. Um für die nötigen Punkte zu garantieren sind Tore ebenso notwendig wie jene, die dafür sorgen, dass sie überhaupt geschehen. Doch wenn es am Geld fehlt und das aktuelle Aufgebot dazu nicht im Stande ist, dann liegt ein Ergebnis in weiter Ferne.
In der vergangenen Woche hatte die Alemannia gleich zwei Wiederkömmlinge zu vermelden, die nach ihrer Verletzungspause ins Mannschaftstraining einstiegen. Während sich der Trainer kurz vor der Abreise Gedanken darüber machte, ob Kevin Kratz den Kader am Sonntag schon wieder zieren darf, wäre Anouar Hadouir, der aufgrund von Knieproblemen pausierte, noch nicht bereit für die Partie am Sonntag. So ließ Trainer Funkel offen, welche Elf am Sonntag in der Commerzbank-Arena auflaufen wird, sowie neben ihm auf der Ersatzbank Platz nehmen wird. Hierbei versprach der Coach allerdings, dass es möglicherweise zu kleinen Änderungen käme; dass jene, die länger nicht mehr in Erscheinung getreten waren, vielleicht am Sonntag ihre Chance wittern.

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Auch kein Sieg zum Jubiläum

Drei Punkte Nullen hinter der 1




Wir schreiben den 16. Dezember 1900, die 18 Schüler, die den Grundstein der heutigen Alemannia markieren sollten, trainieren wie immer gemeinsam auf dem Kasernengelände der Marienthaler Kaserne, südlich des Kapuzinergrabens in Aachen, als sie auf die wahnwitzige Idee kommen, einen eigenen Fußballverein zu gründen. Was aus den ersten Anfängen erstand, findet sich jetzt - fast 111 Jahre später - zumindest in der ewigen Tabelle der zweiten Bundesliga ganz oben wieder. Mit der Partie gegen den MSV Duisburg (zum Vergleich: die Zebras aus dem Ruhrgebiet liegen mit 628 Spielen nur auf Platz 15.) hat die Alemannia ihr 1000. Zweitligaspiel bestritten und ist damit der Verein dieser Klasse, der es am längsten in ihr ausgehalten hat.

In allen Spielzeiten seit 1963 hat die Alemannia die Liga nur drei Mal verlassen, kehrte mit dem Abstieg aus der ersten Liga (Aufstieg 1967) 1970, mit dem Aufstieg aus der dritten Liga (Abstieg 1990) 1999 und dem Abstieg aus der ersten Liga (Aufstieg 2006) 2007 allerdings immer wieder zurück. So markiert die zweite Fußballbundesliga nun schon 28 Jahre lang, mit nur wenigen Ausnahmen, die Heimat der Schwarz-Gelben. 
Ein Verein mit viel Zweitligatradition also war es, der am Sonntag die Urkunde des DFBs überreicht und zum Jubiläumsspiel viel Erfolg gewünscht bekam. 
Mit dem MSV Duisburg empfing die Alemannia einen Verein, der in der aktuellen Saison an ähnlicher Stelle wie die Alemannia steht. Weit abgeschlagen vom angestrebten vorderen Tabellendrittel befinden sich die Kultklubs im düsteren Tabellenkeller, spielen dieses Jahr gegen den Abstieg anstatt - wie zumindest vor wenigen Jahren noch - um den Aufstieg in die Bundesliga. 
Mit diesem Vorwissen ist jetzt ersichtlich, warum das Spiel gegen den Mitkonkurrenten neben all den geschichtlichen Hintergründen so von Bedeutung war. Im Abstiegskampf zählt nunmal jeder Punkt, schließlich entscheiden diese später um den Verbleib in Liga Zwei und die Talfahrt in Richtung Liga Drei.

Vor fast ausverkaufter Hütte (31.180 Zuschauer) hatte sich die Alemannia nun das Ziel gesetzt, den zweiten Dreier der laufenden Spielzeit einzufahren. Eine Woche vor der Pleite im Derby gegen Bochum hatte man in der letzten Partie vor heimischer Kulisse den ersten Punktgewinn einfahren können, sodass man nun natürlich an dieses Erfolgserlebnis anknüpfen wollte.
Auch wenn man aus Bochum keine Punkte mit an den Tivoli brachte, schenkte der Ex-Coach der Blau-Weißen exakt der Elf des letzten Spieltags sein Vertrauen. Demnach durfte Boy Waterman zwischen den weißen Pfosten ran, die Abwehrreihe davor bestand aus Kim Falkenberg, Tobias Feisthammel, Seyi Olajengbesi und Timo Achenbach. Im 4-4-2 System markierten Bas Sibum und Aimen Demai die Doppelsechs, während David Odonkor und Ray Yabo über Außen stürmten. Kapitän Benny Auer, der im letzten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt seine letzte Bude gemacht hatte, sollte im Duo mit Sergiu Radu beweisen, warum man ihn vor rund drei Jahren an den Tivoli geholt hatte und seither nicht mehr abgeben wollte.
Schwungvoll ging es dann auch direkt los am proppevollen Tivoli. Einige Alemannen hatten ihren Platz noch gar nicht richtig eingenommen (meine Wenigkeit gehörte dazu) als die 30.000 Schwarz-Gelben ihre Bude das erste Mal zum kochen brachten. Die erste Möglichkeit, der erste Schuss, das erste Tor: Nach einer Ecke von Timo Achenbach gelang der Ball zu Sergiu Radu, der am langen Pfosten unbedrängt zum Ball kam und das Leder ins Tor köpfte. 

Während die Fans auf den Rängen noch feierten, hatte der MSV Duisburg längst schon wieder einen klaren Gedanken gefasst. Die Gäste aus dem Ruhrgebiet ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, legten ihr Konzept auch nach dem Gegentor konsequent an den Tag. So gelang es den Zebras, fortlaufend das Steuer in die Hand zu nehmen und die Aachener Hintermannschaft weit in die eigene Hälfte zurück zu drücken. Boy Waterman wurde so mehr gefordert, fasste Versuche von Domovchiyski zu Anfang allerdings immer sicher.
Auf der Gegenseite kam die Alemannia nur noch aus der Entfernung oder durch Standards zum Torabschluss. Weil Keeper Fromlowitz die schwachen Abschlüsse der Alemannen gut abschätzen konnte, kamen die Schwarz-Gelben nicht zum erneuten Torerfolg.
Im Gegenteil zum Gastgeber hatte hatte der MSV keine größere Mühe, den Sechzehner der Tivoli-Kicker zu erreichen. Nachdem Keeper Waterman eine Situation im Strafraum gut gegen Brosinski geklärt hatte, war es der eigene Mann, der wenig später eine erneute Szene einleitete, die dann auch zum Torerfolg führte. Innenvertediger Olajengbesi hatte beim Rückpass per Kopf nicht auf den Hintermann geachtet, womit das Leder unglücklich in den Besitz von Domovchiyski kam. Der Stürmer hatte im Duell gegen Waterman im Gegensatz zu seinem Kollegen das bessere Auge und ließ dem Schlussmann der Schwarz-Gelben mit seinem platzierten Schuss keine Chance.

Auch nach dem Ausgleichtreffer der Gäste agierte die Elf von Trainer Funkel weiter planlos. Auch wenn man die flötengegangene Führung schnell wieder herstellen wollte, gingen diese Versuche meist buchstäblich in die Hose.
Die Weiß-Blauen dahingegen fanden immer wieder den Zug zum Tor, hatten wenige Minuten nach dem ersten Treffer gleich die Chance zum nächsten, weil Brosinski den Ball im Sechszehner allerdings verstolperte, machten sich die Duisburger selbst einen Strich durch die Rechnung.
Denn auch weitere Versuche blieben erfolglos, nachdem die Alemannia für kurze Zeit die Riemen noch einmal an sich gerissen hatte, allerdings ebenso wie der MSV scheiterte, verabschiedeten sich beide Teams in die Kabinen.
Nach einer ordentlichen Ansprache schickte Friedhelm Funkel sein Team unverändert zurück auf den Rasen, der Trainer auf der anderen Seite machte ihm es gleich.

Mit ähnlich viel Schwung wie in Halbzeit Eins starteten die Schwarz-Gelben auch in die zweite Hälfte. Allerdings reduzierte sich dieser Schwung auf das, was aus den Standardsituationen der Tivoli-Kicker entstand. Mehrere Ecken der Schwarz-Gelben brachten Keeper Fromlowitz zwar dazu, sich wieder aktiv am Spielgeschehen zu beteiligen, viel Gefahr versprühte die Aachener Offensivmannschaft allerdings nicht.
Nach gut einer Stunde war dies der erste und einzige Grund für Friedhelm Funkel, sein Team rotieren zu lassen. Für Reinhold Yabo stand eine viertel Stunde nach Wiederanpfiff Marco Stiepermann auf dem Platz, Torschütze Radu sollte von Manuel Junglas ersetztet werden.
Funkels taktischen Maßnahmen schienen schnell Früchte zu tragen, hatte Manuel Junglas schließlich schon Sekunden nach seiner Einwechslung die erste Chance zur erneuten Führung, fand jedoch in Schlussmann Fromlowitz seinen Meister.

Im Anschluss sorgten beide Teams für ein Wechselbad der Gefühle auf den Rängen: Nach einer langen Flanke in den Strafraum kam Andre Hoffmann viel zu frei zum Ball, Torhüter Waterman konnte nur zusehen, wie das Leder über seinen Kopf im eigenen Kasten landete.
Dahin nicht nur die Führung, der MSV schien das Spiel gedreht zu haben, dachte man noch, als der Tivoli neuerlich bebte. Die Alemannia hatte sich vom Gegentreffer alles andere als beirren lassen und richtig reagiert. Mit dem Anstoß leitete Manuel Junglas einen Traumpass in die Spitze ein, auch wenn Kapitän Auer gegen den Schlussmann der Blau-Weißen zu scheitern schien, konnte Fromlowitz das Leder nicht richtig fassen, sodass es zurück sprang, am eigenen Mann abprallte und langsam ins Tor kullerte. Vom Stadionsprecher wurde Benjamin Auer das Tor zugesprochen, auch wenn eigentlich Abwehrmann Branimir Bajic den Körper dazwischen gebracht hatte - wie dem auch sei, die Alemannia war direkt zurück im Rennen, es war wieder alles drin und das war nunmal das Wichtigste.

Die letzten Minuten der Partie wurden somit noch einmal richtig spannend, wollte sich schließlich keines der beiden Teams mit einer Punkteteilung zufrieden geben. So flogen noch einmal die Fetzen, hier und da kamen noch einmal die Ellbogen raus, der Zug zum Tor war zwar vorhanden, doch die Offensivakteure beider Mannschaften scheiterten am Schlussmann der Gegner oder an sich selbst.
So blieb es auch nach neunzig Minuten beim gerechten Remis. Zum tausendsten Spiel konnte die Alemannia ihre Fans nicht mit einem Sieg beglücken, hatte ihnen allerdings gezeigt, dass sie bereit waren, zu kämpfen, statt sich nach einem Gegentor einfach hängen zu lassen.
Über die Länderspielpause wird die Alemannia auf dem 17. Tabellenplatz verweilen, weil man aufgrund der Tordifferenz den punktgleichen Tabellennachbarn FC Ingolstadt hinter sich gelassen hat. Eine Woche später ist die Alemannia dann beim Tabellen Zweiten Eintracht Frankfurt zu Gast, wo man die Sensation schaffen und gegen den Aufstiegsaspiranten einen Dreier einfahren möchte.

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Frei nach Laotse

"Selbst eine Reise von tausend Meilen...



...beginnt mit dem ersten Schritt." Wohl ein jeder langjähriger Fan der Schwarz-Gelben erinnert sich noch daran, wie das war, als man damals zum ersten Mal einen Fuß in den Tivoli setzte. Als man das erste Spiel verfolgte und am Erlebten fest machte, dass man sich für die Alemannia entschieden hatte. 
Für den ein oder anderen, der auch heute noch regelmäßig die Tore des Schwarz-Gelben Kastens durchqueert, liegt dieses Erlebnis schon Jahre zurück liegt. Als die Alemannia damals gegründet wurde oder man das erste Mal im alten Kultkasten ein Spiel bestritt, hätte man es womöglich kaum für möglich gehalten, dass die Zahl der absolvierten Partien einmal auf 1000 einsteigt. Empfangen die Schwarz-Gelben am Sonntag den MSV Duisburg, dann kann dieser Rekord eingetragen werden: Kein Verein der zweiten Liga hat in dieser mehr auf dem Puckel.

Allein dieses Jubiläums wegen verspricht man sich viel von der Partie am ersten Novemberwochenende. Auch wenn es für diese Jahreszeit nicht üblich ist, dass man durchaus ohne dicke Winterjacke aus dem Haus gehen kann, klingt die Wettervorhersage vielversprechend. Das Thermometer soll auf ganze 15° ansteigen und auch die Sonne sollte sich am frühen Nachmittag über dem Himmel der Kaiserstadt blicken lassen - eigentlich das perfekte Tivoli-Wetter, oder?
Richtig! Gut 30.000 Aachener sahen dies nicht anders und sicherten sich schon im Vorverkauf ihre Karten für das Spiel unter besonderen Vorraussetzungen. Zu Folge hat dies, dass schon heute kaum mehr Tickets verfügbar sind. "Tivoli ausverkauft", könnte es deshalb am Sonntag endlich mal wieder heißen. Als diese freudige Aussage zum letzten Mal durch die Stadionboxen rauschte, war der FC Bayern München zum Viertelfinale des DFB-Pokal zu Gast auf dem Tivoli. Im Januar diesen Jahres verlor man hierbei mit 0:4.

Doch diese Tatsache soll die Tivoli-Kicker nicht schocken, konnte man in der letzten Heimpartie gegen den FC Ingolstadt schließlich den ersten Sieg dieser Saison einfahren.
Vor ausverkaufter Hütte soll es der Funkel-Elf erneut gelingen, einen solchen Erfolg zu einzufahren und womöglich an die Leistungen der zweiten Halbzeit in Bochum anknüpfen, auch wenn man dort in der vergangenen Woche unglücklich drei Punkte an den Gegner abgab.
Um zu garantieren, dass auch der MSV Duisburg die Heimreise am Sonntagnachmittag ohne Punkte antritt und die Schwarz-Gelben die Zebras somit in der Tabelle überholen, muss der Coach allerdings weiterhin auf Charaktere wie Kevin Kratz (Leisten-OP), Anouar Hadouir (Trainingsrückstand) und auch David Hohs (Syndesmosebandanriss), Kevin Maek (Innenminiskus-OP) und Lennart Hartmann (Hexenschuss) verzichten.

Weil auch für TypischLinksAussen dieses Spiel unter einem besonderen Stern steht, wird es in der kommenden Woche dazu ein kleines Spezial geben. Einmal Alemanne, immer Alemanne. - "Und wann haben Sie den ersten Schritt in ein Fußballstadion gemacht?"