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Uwe Scherr spricht Klartext

Alemannias Sportdirektor im Fan-Gespräch


Rund drei Tage ist es her, dass die Alemannia offiziell verkündet hat, den Weg durch Liga 3 fortan ohne das dreiköpfige Trainergespann um Ralf Aussem, Michael Burlet und Hans Spillmann zu bestreiten. Nach desolaten Leistungen sei dieser Schritt notwendig gewesen, so Sportdirektor Uwe Scherr, der sich am Wochenende noch einmal Gedanken um die Personalien im Trainergespann gemacht hatte. Die Entscheidung, die er fällte, löste bei den Fans nicht nur gemischte Gefühle aus - sie warf auch einige Fragen auf.

So kam es ganz gelegen, dass der Mann, der im Mai das Amt von Erik Meijer übernommen hatte, den Fans am Dienstagabend im Werner-Fuchs-Haus Rede und Antwort stand. Er wolle für alles, was er tue, gerade stehen, sagte Scherr zu Beginn des Gesprächs. Dies gelte sowohl für das, was in der Vergangenheit, aber auch für das, was noch in ferner Zukunft läge.
Eine der ersten gestellten Fragen an diesem Abend behandelte - natürlich - die kurzfristige Entlassung des gesamten Trainerteams, die in sich nicht ganz schlüssig schien. Die Frage nach einem warum war schnell geklärt: Scherr sei nicht zufrieden mit den Leistungen gewesen, habe keinen Aufwärtstrend gesehen. Das Team habe sich eher zurück- anstatt entwickelt und wäre den Anforderungen damit nicht gerecht geworden. Mit dem Innehaben des 13. Tabellenplatzes läge die Mannschaft unter allen Erwartungen, habe aus den vergangenen Spielen nicht die nötige Punkteausbeute ziehen können. Als Konsequenz ging nun der Trainer, dem menschlich nicht das geringste vorzuwerfen sei, so Scherr, doch sportlich habe es einfach nicht gestimmt.
Anders dahingegen offenbarte sich die Situation um Torwarttrainer Hans Spillmann, der zeitgleich wie Aussem und Co-Trainer Burlet die Koffer packen musste. "Er war der Gefährlichste", antwortete Scherr auf die Frage, warum auch er habe gehen müssen. Diese Auskunft war den Fans zu dürftig. Sie hinterfragten sie erneut - und bekamen eine Antwort, mit der sie wohl nicht im geringsten gerechnet hatten: "... er hat eben nicht alle Spieler gleich behandelt."

Den ersten Schock verdaut - galt Spillmann schließlich stets als einer der wohl umgänglichsten Akteure rund um den Tivoli - nahm das Gespräch langsam Fahrt auf. Es wurde viel diskutiert, sowohl über die momentane Lage in den Gremien als auch zwischen den beiden Fangruppen, die in den letzten Wochen immer wieder für negative Schlagzeigen gesorgt hatten. Scherr kündigte an, gerne als Vermittler aufzutreten und versprach, sich mit beiden Gruppierungen in der nächsten Woche an einen Tisch zu setzten.
Was die Lage im Präsidium betraf, musste Scherr passen. Er seie nicht berechtigt, dort oben "aufzuräumen". Ein "Selbstreinigungsprozess" müsse von Statten gehen, da habe er wenig zu melden.

Zum Ende des Gesprächs fand dieses noch einmal zurück auf die sportliche Situation. In all dem Wirbel um die kürzliche Entlassung des Trainers ging vollkommen unter, dass am Tivoli schon Dienstag in der Früh wieder etwas Positives verkündet wurde. Wie bereits spekuliert konnte Scherr Routinier Christian Weber von Fortuna Düsseldorf verpflichten. Der 28-Jährige, der erst am Freitag seinen Kontrakt in Düsseldorf gelöst hatte, unterschrieb in Aachen einen Dreijahresvertrag. Nach der Länderspielpause an diesem Wochenende könnte er dem Team schon beim nächsten Heimspiel gegen Unterhaching (15. September, 14 Uhr) unter die Arme greifen.
Wer dann allerdings an der Seitenlinie Platz nehmen werde, dazu wollte sich Scherr am Dienstag noch nicht äußern. Über 150 Bewerbungen habe er reinbekommen, unteranderem auch von Wolfgang Wolf, der erst am Montag bei Ligakonkurrent Rostock den Laufpass bekam. Der 54-Jährige wäre am Tivoli allerdings kein Thema - ähnlich wie Lothar Matthäus, denn dann "müssten wir ja auch noch die ganzen Klatschblätter anheuern!"

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